Kameraüberwachung per Handynotruf

BIG BROTHER
21.02.2009

Chicago erprobt neues System zur Kriminalitätsbekämpfung

In der US-Stadt Chicago wurde ein neues System zur Kriminalitätsbekämpfung eingeführt. Das berichtete die "New York Times" (Freitag-Ausgabe). Mittels der Notrufnummer 911 können die Bürger künftig ein beobachtetes Delikt per Handy melden, danach versendet eine in der Nähe stehende Überwachungskamera ein Bild an die Überwachungszentrale und schickt bei Bedarf die Polizei.

Die sechs Millionen Dollar für das neue System wurden vom Amt für Heimatschutz finanziert und in einem Probelauf im Dezember 2008 getestet. "Wir haben sofort den Blick auf eine Kriminalitätsszene, wenn sich der 911-Anrufer im Umkreis von 46 Metern einer Überwachungskamera aufhält", sagte Ray Orozco, Geschäftsführer der US-Behörde für Notfallmanagement und Kommunikation.

Gegner kritisieren System

Das System könne neben dem öffentlichen Überwachungsnetzwerk auch an private Überwachungskameras - etwa von einem Universitätscampus - angeschlossen werden. 20 private Unternehmen hätten sich bereits bereiterklärt, am Programm teilzunehmen, weitere 17 ihr Interesse bekundet.

Gegner sehen in dem neuen Überwachungssystem eine weitere Einmischung in die Privatsphäre. So gebe es noch immer keine Langzeitstudien, dass Überwachungskameras tatsächlich die Kriminalität reduzieren. "Sie verdrängen lediglich die Kriminalität", meinte Ed Yohnka von der Amerikanischen Bürgerrechtsvereinigung.

Ernsthafte Bedenken bei Audioüberwachung

Albert Alschuler, Professor für Rechtswissenschaften an der Northwestern University, sieht das anders. "Ernsthafte Bedenken hätte ich, wenn neue Audiotechnologien benutzt würden, die laute Geräusche an die Polizei melden, wie etwa einen Schrei oder einen Zusammenstoß von Autos", so Alschuler. Denn dann hätte die Polizei auch die Möglichkeit, alle Gespräche in der Öffentlichkeit zu belauschen.

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