SPD-Kanzlerkandidat stellt sich hinter DB-Chef

DATENAFFÄRE
08.02.2009

Anonymes Schreiben erhebt neue Vorwürfe gegen Mehdorn

In der Datenaffäre bei der Deutschen Bahn (DB) hat sich SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hinter Konzernchef Hartmut Mehdorn gestellt. "Ich würde in dieser Situation, wo die Aufklärung stattfindet, nicht nachtreten", sagte Steinmeier in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" am Sonntag.

Bei der Bahn seien ohne Frage Fehler gemacht worden. Zwar sei es notwendig, gegen mögliche Korruption im Konzern vorzugehen. Dabei müsse sich das Unternehmen aber auf diejenigen Mitarbeiter konzentrieren, die mit der Vergabe von Aufträgen zu tun hätten.

Zeit für Aufklärung

"Die Überwachung und Kontrolle jedes Lokführers ist dazu weder erforderlich noch sinnvoll", sagte Steinmeier. Bahnchef Mehdorn habe sich nun aber entschuldigt. "Und ich bin sehr dafür, dass wir ihm die Zeit geben, sowohl den eigenen Aufsichtsrat wie die Öffentlichkeit aufzuklären", so Steinmeier.

Er habe noch gut den Zustand der Deutschen Bahn in Erinnerung, bevor Mehdorn dort Konzernchef geworden sei. Er wisse, wie sehr Mehdorn die Bahn in den vergangenen zehn Jahren zum Positiven verändert habe, sagte Steinmeier.

Neue Vorwürfe gegen Mehdorn

DB-Mitarbeiter erhoben hingegen neue Vorwürfe gegen Mehdorn. Der Bahnchef habe von den umstrittenen Aufträgen zum Datenabgleich gewusst, zitierten am Sonntag "Frankfurter Rundschau" und "Welt am Sonntag" aus einem Brief von Mitarbeitern der Konzernrevision an Verkehrspolitiker des Bundestags. Die Bahn erklärte, das Schreiben sei anonym, Verdächtigungen seien daher "unredlich".

Wie die Zeitungen unter Berufung auf das Schreiben an den Verkehrsausschuss des Bundestags berichteten, soll der Chef der Bahn-Konzernrevision, Josef Bähr, Mehdorn "wiederholt" über die Datenabgleiche berichtet haben.

Überprüfungen gestoppt

Zudem werfen die Mitarbeiter dem Chef der Konzernrevision vor, die Überprüfung der Daten in Einzelfällen gestoppt zu haben, wenn ranghohe Verantwortliche des Unternehmens ins Visier geraten seien. Außerdem seien überhöhte Rechnungen an die externe, für die Datenabgleiche zuständige Firma Network gezahlt worden.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte auf Anfrage, es handle sich bei dem Brief um ein "anonymes Schreiben, dessen Autorenschaft und Herkunft völlig ungeklärt sind". Es sei "unredlich, auf dieser Grundlage zu spekulieren und schwerwiegende Verdächtigungen abzuleiten".

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(AFP)