Nikon: Wachstum auf Digicam-Markt gebremst

FOTOGRAFIE
03.02.2009

Der japanische Optikkonzern Nikon hat am Dienstag anlässlich einer Pressekonferenz in Wien Zahlen zum österreichischen Kompaktkameramarkt vorgestellt und im Vorfeld der US-Fotofachmesse PMA seine neuen Kompaktkameramodelle präsentiert.

Laut Wolfgang Lutzky, dem leitenden Nikon-Manager für Österreich und Slowenien, konnte der heimische Markt für kompakte Digitalkameras (ohne digitale Spiegelreflexkameras, DSLR) auch 2008 noch robust wachsen, und zwar von 619.581 (2007) auf 659.899 Stück. Lutzky bezog sich dabei auf aktuelle Daten des Marktforschungsunternehmens GfK. Speziell das Weihnachtsgeschäft 2008 sei hervorragend gelaufen, es sei von der Wirtschaftskrise noch nicht betroffen gewesen.

Marktsättigung bremst Wachstum

"Für 2009 rechnen wir allerdings mit einem Rückgang auf rund 573.000 Stück", so Lutzky. Dafür seien zwei Faktoren verantwortlich: die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise und die zunehmende Sättigung des Markts. Der durchschnittliche Ladenverkaufspreis für eine kompakte Digitalkamera sei von rund 300 Euro im Jahr 2004 auf 183,83 Euro im Jahr 2008 gesunken.

Diese Entwicklung werde sich auch 2009 noch fortsetzen - Lutzky prognostizierte einen Durchschnittspreis von 174,21 Euro -, insgesamt würden die Preise künftig aber langsamer sinken als in den vergangenen Jahren.

Zielgruppe: Frauen und Jugendliche

Lutzky stellte die für ihn wichtigsten Trends auf dem heimischen Digitalkameramarkt vor. Zunächst werde das Alter für den Einstieg in die Digitalfotografie weiter sinken, viele Österreicher kauften sich bereits mit 14 Jahren ihre erste Digicam. Weiterhin interessierten sich Frauen zunehmend für die digitale Fotografie. "Außerdem ist für Nikon der Megapixel-Hype vorbei", sagte Lutzky.

Die Konsumenten achteten nun stärker auch auf andere Merkmale der Kameras, etwa auf die Leistungsfähigkeit der eingebauten Optiken. Die Innovationsgeschwindigkeit bleibe auch 2009 auf dem hohen Niveau der Vorjahre. Derzeit seien viele Konsumenten dabei, die Digitalkameras älterer Generationen gegen neuere Geräte auszutauschen. Das stabilisiere den Absatz.

Megapixel-Rennen gestoppt

Nikon-Marketingchef Elmar Kickingeder wies darauf hin, dass die neuen kompakten Kameramodelle des japanischen Traditionsherstellers daher nicht mehr als zwölf Megapixel Auflösung bieten würden. Mit den schlanken Digicams der S-Serie beispielsweise will der Konzern verlorenes Terrain von den Kompaktkamera-Marktführern Canon und Sony wieder zurückholen.

Das möchte Nikon unter anderem mit neuen Funktionen in der Kamerasoftware erreichen. Die automatische Gesichtserkennung könne nun auch Gesichtsprofile identifizieren und entsprechende Einstellungen im Belichtungsprogramm selbstständig vornehmen. Die besseren Modelle der S-Serie bieten nun auch eine abschaltbare Option zur automatischen Korrektur der Objektivverzeichnung in der Kamera, einen schnelleren Autofokus und auch eine AF-Nachführung zur Verfolgung sich schnell bewegender Motive.

Superzoom und Schwenkmonitor

Auch das teuerste und leistungsfähigste Modell der neuen Nikon-Kompaktkameras, die Bridgekamera P90 mit 12-Megapixel-Sensor, verfügt nicht über einen RAW-Modus, dafür aber über einen Zoombereich von 26 bis 624 mm (umgerechnet auf 35 mm Kleinbild) und einen nach oben und unten schwenkbaren Monitor mit drei Zoll Diagonale. Das Modell verfügt über einen Bildstabilisator (beweglich aufgehängter Bildsensor). Der Einstandspreis liegt bei 429 Euro. Die Einsteiger-Kompaktmodelle der L-Serie, die sich mit herkömmlichen AA-Batterien betreiben lassen, sind ab 109 Euro zu haben.

Modelle, die Nikons Kompaktkamera-Aufstellung von jener anderer Markenhersteller signifikant differenzieren würden - etwa eine Neuauflage der Drehgelenkkameras in Tradition der Coolpix 950 -, fehlen leider. Über neue Produkte aus dem DSLR-Bereich mochte sich Nikon am Dienstag noch nicht äußern. Branchenbeobachter erwarten, dass der Konzern zur PMA Anfang März das Nachfolgemodell seiner semiprofessionellen DSLR D300 vorstellen wird.