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Social Network statt soziale Hängematte

NETZTEILE
29.11.2008

In der Wirtschaftskrise werden Ideen, Material und Menschen gnadenlos ausgesiebt. Sogar Xing-Chef Lars Hinrichs haben seine guten Verbindungen letztendlich nichts genützt - er berief sich selbst in höhere Ebenen ab. Da wird es Zeit, dass die Ex-Chefs von Social Networks endlich ein eigenes Soziales Netzwerk bekommen.

Trotz der Selbstbeförderung von Lars Hinrichs in den Aufsichtsrat von Xing haben wir es immer schon geahnt: Es sind halt doch nur 5 Millionen im Quartal mit Social Networks zu verdienen - auch wenn die Bilanzen noch ganz proper aussehen. Schade. Dafür stehen andere IT-Firmen nicht mal vom Pausentisch auf.

Alle wollen nur alle kennen, aber keiner will fürs Kennenlernen zahlen. Da hilft es dann auch nichts, dass Herr Hinrichs auf die Kollegen von LinkedIn herunterschauen will. Es geht einfach nicht voran. Und deshalb soll es jetzt der ehemalige Deutschland-Chef von eBay, Stefan Gross-Selbeck, richten. Ja, stimmt, die sind ja im Moment auch sehr erfolgreich.

Da geht sie dahin, die Welle der 2.0, vielleicht haben wir zu sehr auf die Zahl vor dem Punkt geschaut und die Nullen dahinter vergessen. Aber Ungemach und Nachschub für die Arbeitsvermittlung ist schon im Anmarsch. Ausgerechnet der Bauer Verlag entwickelt derzeit eine "Welt der Weiber".

Derweil bleibt noch Mark Zuckerberg, seines Zeichens jung, dynamisch und Chef von Facebook, der leider allerdings auch glücklos versucht hat, Twitter für einige seiner Aktien und 100 Milliönchen zunehmend wertlosen US-Gelds zu bekommen. So wird das nichts, liebe letzte Hoffnung der Sozialen Netzwerke.

Wer heute nicht mindestens 700 Milliarden zur Rettung und Übernahme von irgendetwas bereitstellt, der gilt als mit Noch-Präsident Bush warmduschend. Dabei hat Facebook ja nicht einmal den eigenen Chat im Griff. Sieht nicht gut aus, gebt dem CEO Zuckerberg, würde ich sagen, was des Zuckerbergs ist. Im Moment wird man ja wegen der allgemeinen Krise jeden so schnell und leise los wie einen Eisberg in Grönland.

Aber anstatt nun mit höllischen Maschinen dagegen anzukämpfen oder allen glücklosen CEOs von Sozialen Netzwerken einen Sozialplan zu verpassen, schlagen wir zumindest vor, dass die sich in einem eigenen Social Network wiedertreffen können. Heißa, das wird eine Freude. Wir nennen es Losr.com, oder lieber doch nicht, denn das ist leider schon weg.

Gut, es wird niemand darin Werbung schalten wollen, aber das ist nicht so schlimm. Damit unterschiede sich Losr.com (oder wie auch immer) nicht weiter von anderen glücklosen Networks, in denen zwar alle irgendwo herumhängen, die aber nicht wirklich genügend Kohle machen, um weiterhin die gute Tante für das Internet zu spielen. Und dabei reden wir nicht einmal von einem Social Network, das wirkliche Freunde von den echten trennt.

Ein guter Freund hat mir einmal nach dem 13. Bier etwas gestelzt gesagt (und danach sofort im Rausch wieder vergessen): "Das Drama mit dem Internet ist, dass es sich wie eine keusche Jungfer benimmt. Von weitem ist es freundlich, von Nahe unerfahren und spröde, und sobald man seine Dienste für Geld in Anspruch nehmen will, begeht man eine Todsünde und wird von ihm krankenhausreif geschlagen ... Außerdem ist mein Bierglas leer." Zusammengefasst: Anschauen, ja. Küssen, ja, pimpern, nein. Schon gar nicht für Geld. Oder, genauer auf Herrn Hinrichs zugeschnitten: Gut, das Geld kam von Investoren, aus dem Internet kommt es nur spärlich. Schönen - guten - Abend.

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(Harald Taglinger)