Auftakt zu Wiener Forschungsoffensive
Bei der Konferenz "Wien denkt Zukunft" haben Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik die Zukunft des Forschungsstandorts Wien diskutiert. Bis Herbst nächsten Jahres soll eine breit angelegte Strategie erarbeitet werden.
Wien habe durch seine geografische Lage die besten Voraussetzungen als Forschungsstandort, sagte Peter Strunk, Kommunikationschef der Berliner Wissenschaftsstadt Adlershof, am Montag bei der Konferenz "Wien denkt Zukunft" im Wiener Rathaus.
Mit der Konferenz gab die Stadt Wien den Startschuss zu einer Forschungsoffensive, die im kommenden Jahr gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft entwickelt werden soll.
Bis 2015, kündigte der Wiener Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder [SPÖ] an, wolle sich die Wien als zentraleuropäische Forschungs- und Entwicklungshauptstadt etablieren.
"viennovation 2015"
Ziel der Forschungsoffensive "viennovation 2015" ist es, die Wiener Forschungsquote von 3,13 Prozent im Jahr 2004 auf vier Prozent im Jahr 2015 zu erhöhen und die Anzahl der in der Forschung tätigen Wiener Unternehmen auf 800 zu verdoppeln. Die Anzahl der in Forschung und Entwicklung Beschäftigten soll im selben Zeitraum um 25 Prozent auf 22.000 wachsen, wobei der Frauenanteil in der betrieblichen Forschung um 100 Prozent steigen soll.
Strunk, der in Berlin-Adlershof unter anderem Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Optonik, optische Technologie, sowie Bio- und Energietechnologie beherbergt, riet der Stadt Wien zur langfristigen Planung ihres Innovationsprogramms und zur Schaffung neuer Industriestrukturen.
Neben Strunk fanden sich auch weitere internationale Experten als Ratgeber für die Forschungsoffensive ein.
Internationale Zusammenarbeit
Stig Jorgenson, Geschäftsführer des auf die Bereiche Biotechnologie und Life Science spezialisierten dänisch-schwedischen Projekts Medicon Alley, strich die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit für einen Forschungsstandort heraus und riet zu steuerlichen Anreizen für Risikokapitalgeber.
Auch das Branding sei für einen Forschungsstandort von großer Bedeutung, sagte der dänische Experte, dessen Medicon Valley pro Jahr 16 bis 18 neuen Unternehmen Raum bietet.
Eigenständiger Weg
Phillip Steger, österreichischer Wissenschaftsattache in den USA und Direktor des Office of Science & Technology in Washington, riet der Stadt zu einem eigenständigen Weg in der Innovationspolitik, anstatt überholte US-Modelle zu imitieren.
Es sei wichtig, das gesamte vorhandene Potenzial zu nutzen und dabei auch auf den Faktor Lebensqualität zu setzen. Denn die Lebensqualtiät erhöhe die emotionale Bindung der Forscher an die Stadt und verhindere, dass diese in Krisenzeiten der Region den Rücken kehren, meinte Steger, der nebenbei einen Nachholbedarf bei der Versorgung der Wiener mit WLAN-Zugangspunkten konstatierte.
Expertengruppen beraten
Mehr als 60 Experten aus Politik, Forschung und Wirtschaft sollen nun bis Herbst 2007 in vier Arbeitsgruppen über konkrete Maßnahmen für den Forschungsstandort Wien beraten.
Neben der Förderung des Wissenstransfers zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen stehen dabei die Verbesserung und Modernisierung der Infrastruktur für Forschungseinrichtungen, die Förderung hochqualifizierter Arbeitskräfte und die internationale Vernetzung von Wiener Projekten im Bereich Forschung und Entwicklung auf dem Programm.
"Wien denkt Zukunft"
Interessierte haben die Möglichkeit, sich über die Website "Wien denkt Zukunft" am Diskussionsprozess zu beteiligen. Dort werden außerdem Berichte über den laufenden Prozess veröffentlicht.
(futurezone | Patrick Dax)
