20.02.2003

TRIER

Bildquelle: ORF.at

Cyberkriminalität "außer Kontrolle"

Bei einem gerade stattfindenden Seminar an der Europäischen Rechtsakademie im deutschen Trier diskutieren Experten über Geldwäsche und Computerkriminalität im europäischen Raum und Möglichkeiten der Eindämmung.

Aus Sicht des Londoner Kommunikationsrechtlers Ian Walden ist Computerkriminalität von staatlichen Behörden kaum noch zu kontrollieren. Es fehle nicht nur an der Qualifikation von Polizei und Justiz, sondern auch an einheitlicher Gesetzgebung, so Walden.

Zum Beispiel sei laut Walden, der das Institut für Computer- und Kommunikationsrecht an der Universität London leitet und Berater staatlicher Einrichtungen ist, noch nicht geklärt, wie weit die Überwachung von Telekommunikationsverbindungen gehen darf.

Kosten der Überwachung

Geschützte Daten gebe es beispielsweise dann, wenn ein Anwalt mit einem Beschuldigten über das Internet kommuniziert. Fraglich sei zudem, wer in welcher Höhe die Kosten für die Überwachung trägt.

"Früher hatten die Telekommunikationskonzerne eine Menge Geld, es machte ihnen nichts aus - auf dem zusammengebrochenen Markt ist das nun eine Kostenfrage", sagte Walden. Er kritisierte außerdem die aus seiner Sicht zu laxe Verurteilung von Cyberkriminellen.

Gerichte nähmen die Straftaten oft nicht ernst genug. Zur qualifizierten Aufklärung und Bewertung von Verbrechen regte er die Einrichtung von nationalen technischen Beratungsstellen an, an die sich Polizei und Justiz wenden sollten.