13.02.2003

SICHER

Bildquelle: ORF.at

China als Biometrie-Testfeld

Während in Deutschland noch über das Für und Wider eines digitalen Fingerabdrucks im Personalausweis diskutiert wird, haben die ersten Einwohner der chinesischen Region Makao die Biometrie-Ausweise aus Deutschland schon in der Tasche.

In diesen Wochen liefern die Münchner Firmen Siemens und Giesecke & Devrient die Karten an die rund 460.000 Einwohner der ehemaligen portugiesischen Kolonie aus.

In Europa haben die Hersteller der biometrischen Ausweise oder Zugangskontrollen dagegen bisher kaum Massenabnehmer für ihre Produkte gefunden. Wegen hoher Fehlerquoten bei der Identifizierung anhand von Fingerabdruck, Iris oder Gesichtsvermessung breiten sich biometrische Kontrollsysteme dort nur langsam aus.

Asien ohne Berührungsängste

Auf der weltgrößten Computermesse CeBIT im März in Hannover werden die Firmen wieder versuchen, auch bei den europäischen Kunden Vertrauen für die Technologie zu wecken.

"In Asien sind die Berührungsängste gegenüber der Biometrie viel geringer", sagt der Chef der Hamburger Biometrie-Firma Dermalog, Günther Mull. Bislang erzielt seine Firma rund 99 Prozent des Umsatzes im Ausland.

Bereits vor mehr als zwei Jahren hat Dermalog nach Angaben von Mull Personalausweise mit digitalem Fingerabdruck an die Einwohner von Brunei geliefert, Aufträge aus Brasilien und in der Ukraine folgten. "Die Erfahrungen dort sind sehr gut", sagt Mull. Die Fehlerquote liege bei "deutlich unter einem Prozent".

Versagen im Test

Das größte Problem der Biometrie sind noch immer hohe Fehlerquoten. Während die Systeme kleinere Nutzergruppen inzwischen recht zuverlässig erkennen, ist spätestens bei Massenanwendungen für mehrere zehntausend Nutzer Schluss.

"Die Technik einer massentauglichen Identifizierung und Authentifizierung von Personen auf der Basis von Körpermerkmalen steckt offenbar noch in den Kinderschuhen", lautete beispielsweise das ernüchternde Fazit eines Praxistests der Computerzeitschrift "c't" im vergangenen Jahr.

Und auch der japanische Kryptographie-Experte Tsutomu Matsumoto hat ebenfalls letztes Jahr Methoden entdeckt, um Fingerabdruck-Sicherheitssysteme zu umgehen. Matsumoto, Professor an der Yokohama National University, zeigte, dass mit Ingredienzien im Wert von rund zehn Euro beinahe alle Fingerabdrucksysteme überlistbar sind.