Jede Musikdatei bekommt eine ID-Nummer
Der internationale Verband der phonographischen Industrie [IFPI] hat einen neuen Kennzeichnungsstandard für Musikdateien vorgestellt. Er soll Komponisten und Interpreten eine angemessene Bezahlung ihrer Arbeit sichern.
Der "Global Release Identifier" [GRid] soll, ähnlich dem Universal-Product-Strichcode [UPC] auf physischen Tonträgern, digitale Musikstücke mit einer elektronischen Seriennummer versehen. Diese macht jeden einzelnen Titel im Internet identifzierbar.
Urheberrechtsinhaber könnten demnach Rückmeldungen erhalten, wenn ein Stück im Internet durch Herunterladen oder Web-Stream abgerufen wird, und so entsprechend entlohnt werden.
Gemeinsames Projekt von IFPI und RIAA
Entwickelt wurde GRid in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam
von der IFPI und der Recording Industry Association of America
[RIAA] im Rahmen des "Music Industry Integrated Identifiers Project"
[MI3P].
GRid-HomepageHändler zahlen 226 Euro pro Jahr
"Wenn das richtig gemacht wird, werden die Künstler und Musikautoren angemessen für den Online-Verkauf ihrer Arbeit bezahlt werden", sagte der Leiter der Technologie-Abteilung der IFPI, Paul Jessop.
Der neue Standard soll sich auf freiwilliger Basis durchsetzen. Nutzer des GRid-Systems wie Plattenlabels und andere Online-Händler zahlen eine Jahresgebühr von 150 Pfund [226,5 Euro] an die "GRid Registration Agency", die von der IFPI geführt wird. Dafür können über 30 Millionen verschiedene Titel pro Identifier markiert werden.
Die Kennzeichnung ist alphanumerisch und besteht aus 18 Zeichen. Beispiel für einen GRid-Code: A1-2425G-ABC1234002-M.
Die ersten zwei Teile [A1 für Musikstück und ein fünfstelliger Code] sind von der GRid-Registrierungsstelle vorgegeben. Die letzten beiden Teile [zehnstelliger Code zur Identifikation des Musikstücks und ein "Check Digit" zur Überprüfung von etwaigen Veränderungen] werden vom Nutzer festgelegt.
Tauschbörsen an sinkenden Verkaufszahlen schuld
Die Musikbranche macht den Erfolg der Tauschbörsen für die seit
Jahren sinkenden Verkaufszahlen von CDs verantwortlich. Bereits
jeder siebente Europäer lädt nach einer aktuellen Studie Musik aus
dem Internet. Die Mehrheit brennt die heruntergeladene Musik auf
CD-Rohlinge, anstatt kommerzielle CDs zu kaufen.
Jeder siebente Europäer lädt MP3sBessere Aufzeichnung des Online-Handels
Das System ist laut IFPI jedoch keine weitere Maßnahme zur Bekämpfung von Online-Tauschbörsen, sondern soll in erster Linie verschiedenste bestehende Tracking-Systeme ersetzen und vereinheitlichen, um künftigen Musikhandel über das Internet besser aufzeichnen zu können.
"Wir wollen damit vor allem die nächste Generation von Online-Musikhändlern und die Independent-Labels ansprechen," sagte Jessop.
Derzeit ist der Online-Absatz von Musikstücken der Plattenlabels wie Sony Music, Warner Music, Universal Music, EMI und BMG Entertainment zwar noch recht schwach, die Musikindustrie will in Zukunft aber verstärkt auf diesen Vertriebsweg setzen.
