Kasparov tritt gegen "Deep Junior" an
Ein neues Schachduell zwischen Mensch und Maschine dürfte von heute Abend an weltweit nicht nur die Freunde des königlichen Spiels in den Bann ziehen.
Der Weltranglistenerste Garri Kasparov und das Schachprogramm "Deep Junior" bestreiten in New York ein Sechs-Partien-Match, das mit einer Million USD dotiert ist. Kasparov will in dem 13-tägigen Match nach eigenen Worten beweisen, dass der Mensch gegen Computer auch im Schach bestehen kann.
"Ich hoffe, durch meine Erfahrung zu neuen Standards beizutragen und auch zu beweisen, dass menschliche Spieler nicht chancenlos sind", sagte der 39-Jährige.
Heute ab 22.30 Uhr live im Netz
Die erste Partie startet am 26. Jänner 2003 ab 22.30 unserer Zeit
in New York und wird live im Internet übertragen. Am 7. Februar
findet schließlich die letzte der sechs Partien statt.
Live: Kasparov vs. Deep JuniorKasparov hat noch Rechnung mit Computern offen
Kasparov hatte 1997 gegen "Deep Blue" verloren, weil ihm im letzten Spiel die Nerven versagten, und damit als erster amtierender Weltmeister gegen einen Schachcomputer unter klassischen Bedingungen. Die Niederlage hatte Diskussionen über menschliche und künstliche Intelligenz ausgelöst.
"Niemand hat ihn gebeten, gegen einen Computer um die Ehre der Menschheit zu spielen. Und vor allem hat ihn niemand gebeten, diese dann auch noch zu verlieren!", kommentierte Schachlegende Viktor Kortschnojs. Bis zum WM-Kampf gegen Kramnik war dies Kasparovs einzige jemals erlittene Wettkampfniederlage.
Eine Revanche gegen Deep Blue ist jedoch nicht möglich, IBM hat das Projekt aufgelöst, das Programm steht zu keinen weiteren Wettkämpfen bereit.
Kasparov besteht auf genaue Protokolle
In New York wird Deep Junior mit einer eigens vom deutschen
Schachsoftware-Verlag Chessbase entwickelten Wettkampf-Oberfläche
antreten, die jeden Rechenvorgang des Programms genau protokolliert.
Seit seiner Niederlage gegen Deep Blue legt Kasparov auf derartige
Protokolle großen Wert, um auch im Nachhinein jegliche
Manipulationen ausschließen zu können.
ChessbaseAuch "Deep Junior" angriffslustig
Das Programm "Deep Junior" der israelischen Autoren Amir Ban und Shay Bushinsky hält derzeit den Weltmeistertitel unter den Schachprogrammen.
Es kann rund drei Millionen Schachzüge pro Sekunde errechnen, "Deep Blue" kalkulierte dagegen zwischen 200 und 300 Millionen Züge pro Sekunde.
"Deep Junior" kann Experten zufolge Entscheidungen jedoch viel flexibler treffen. Im Stil ähnelt Junior sogar Kasparov, denn das Programm spielt kompromisslos auf Angriff und opfert dafür gerne auch Bauern und wenn notwendig Figuren.
Ein spannenderund unterhaltsamer Wettkampf scheint also garantiert.
Preisgeld
Allein für seine Teilnahme kassiert Kasparov 500.000 USD und im Falle eines Sieges noch einmal 300.000. Der Verlierer erhält den Rest von 200.000 USD. Im Falle eines Remis gehen jeweils 250.000 USD an beide Kontrahenten.
Erstmals in der Geschichte des Schachsports hat das Match den offiziellen Segen des Weltschachverbands FIDE, der Computerpartien bis dato hartnäckig ignorierte.
FIDE
