24.01.2003

TOUCHDOWN

Bildquelle: Sony

Werbewirksames "Super Bowl"-Orakel

Am Sonntag ist es wieder so weit: Wie jedes Jahr kämpfen die besten Mannschaften der National Football League [NFL] um die begehrte Vince-Lombardi-Trophy.

Doch bevor der 37. Super Bowl im Qualcomm Stadium in San Diego [Kalifornien] gespielt wird, treten zwei Spieler der beiden Finalmannschaften virtuell im "Game Before the Game"-Wettbewerb gegeneinander an.

Bei dem von Sony Computer Entertainment 1996 gestarteten Contest spielen die Football-Größen werbewirksam das Game "NFL Gameday" auf der Playstation 2. Und wie der Zufall es will, konnte der Gewinner des virtuellen Geplänkels in jedem der sieben Jahre im Anschluss auch den Super Bowl für sich entscheiden.

Dieses Jahr tritt Cornerback Ronde Barber von den Tampa Bay Buccaneers gegen Running Back Charlie Garner von den Oakland Raiders an.

"Richtige Knöpfe zum richtigen Zeitpunkt"

Doch ist das Ergebniss des Super Bowl-Orakels aus dem Hause Sony wirklich nur Zufall?

Die Chancen, in den vergangenen sieben Jahren jeweils den Gewinner auszumachen, stehen laut Gary Lorden, Mathematik- und Statistik-Professor am California Institute of Technology [Caltech], eins zu 255 oder weniger als 0,5 Prozent.

"Das kann nicht nur ein spektakulärer Zufall sein", behauptet Sony' Chefentwickler der Sport-Spielesparte, Kelly Ryan. "Wir haben versucht, eine möglichst realitätsnahe Football-Simulation zu entwickeln."

Wie in vielen anderen Computerspielen arbeitet "NFL Gameday" mit einer Art künstlicher Intelligenz, welche die Schwächen und Stärken jedes einzelnen Spielers der Liga abwägt, um ein Ergebnis zu erhalten. Auch äußere Bedingungen wie Wind, Regen und Temperatur werden einbezogen, um die Performance des Spielers und die Flugbahn des Leder-Eis zu berechnen. Sogar die Unterschiede der Rasenflächen in den Stadien werden berücksichtigt.

Sportexperten kann das freilich nicht beeindrucken. Sie sehen keinerlei Zusammenhänge zwischen dem virtuellen Showdown der Football-Größen und dem Ausgang des Super Bowl. "Wissenschaftlich gesehen, ist das Spiele-Duell statistisch einfach nicht bedeutsam," sagt Lorden.

Auch Qadry Ismail, Wide Receiver bei den Baltimore Ravens und 2001 Gewinner des Sony-Contests und des Super Bowl, stimmt dem zu: "Eigentlich geht es nur darum, die richtigen Knöpfe zum richtigen Zeitpunkt zu drücken."

300 Mio. USD Umsatz mit Football-Spielen

Doch egal ob zufällig oder nicht, ein Gewinner steht jetzt schon fest: die Spieleindustrie, denn allein Football-Spiele generieren einen Umsatz von 300 Millionen USD pro Jahr.

Und gerade Sony hat mit harter Konkurrenz zu kämpfen. In den letzten drei Jahren gingen 76 Prozent der für Football-Spiele ausgegeben Dollars an Electronic Arts, Entwickler von "Madden NFL".

Sony hält derzeit nur magere 3,4 Prozent Marktanteil, eine herbe Enttäuschung, nachdem ihr Spiel 1999 noch die unumstrittene Nummer eins auf dem Markt war.

Im Zuge der Aufholjagd hat Sony nun die Anzahl der Spieleentwickler bei den für "NFL Gameday" verantwortlichen 989 Studios verdreifacht und setzt auch heuer wieder auf den "Game Before the Game"-Contest, mit der Hoffnung, auch den Gewinner des 37. Super Bowl richtig vorherzusagen.