Intelligenztests für Computer
Nach dem Internet-Portal Yahoo, dem Auktionshaus eBay oder der Suchmaschine Altavista soll nun auch bei Microsofts Email-Service Hotmail künftig ein so genanntes CAPTCHA vor unerwünschten Werbe- Mails schützen.
Bei der Registrierung stolpern User über ein neues Eingabefeld. Dort muss eine stark verzerrte und erst auf den zweiten Blick lesbare Buchstaben- und Ziffernfolge erkannt und nachgetippt werden.
Ein leicht lösbares Problem für das menschliche Auge, aber eine unüberwindbare Hürde etwa für Computerprogramme. Sie können den vorgelegten Registrierungscode nicht entziffern.
Bereits seit Jahrzehnten tüfteln Forscher an solchen Unterscheidungstests. Die jüngsten Entwicklungen bringen einige zu der Annahme, dass Computer im Grunde "dumm" sind.
CAPTCHAs [Completely Automated Probabilistic Public Turing Test to tell Computers and Humans Apart] sind automatische Tests nach Art eines Puzzles, die Menschen spielend leicht, Computer jedoch nicht bestehen können, erklärt der Wissenschaftler Luis von Ahn von der Carnegie Mellon University sein Forschungsgebiet. Computerexperten schlagen mit diesen Methoden zur Zeit selbst die leistungsstärksten Rechner der Welt.
Luis von AhnVerifizierung des Menschen
Mit dem neuartigen "Intelligenztest" will Microsoft dem automatischen Erstellen von E-Mail-Konten Einhalt gebieten. Ohne derartige Schutzmaßnahme können Computerprogramme auf den Webservern vollautomatisch Tausende von fiktiven Kundenkonten eröffnen. Diese können dann als Absenderadressen benutzt werden, um die elektronischen Briefkästen anderer User mit Spammails zu füllen.
Doch auch zum Authentifizieren der rechtmäßigen Wähler etwa bei Online-Wahlen können CAPTCHA-Programme nach Meinung der Forscher gut eingesetzt werden.
Als Schutz vor Computer-Viren sei die Technologie ebenfalls nützlich. Einige Unternehmen wie die kleine kalifornische Firma Spamarrest ziehen unterdessen aus der Methode bereits kommerziellen Nutzen und vermarkten CAPTCHA-Software zum Schutz vor ungewollter elektronischer Post.
Verschiedene Methoden
Menschen können besser hören, sehen und sprechen als Rechner - diesen Umstand machen sich die CAPTCHA-Programme zu Nutze.
So verzerrt zum Beispiel das von Luis von Ahn entwickelte Programm Gimpy Buchstaben so, dass sie von Maschinen nicht mehr gelesen werden können. Bei dem CAPTCHA-Programm Bongo müssen wiederum grafisch gemalte geometrische Zeichen zugeordnet, bei Eco verzerrte Laute erkannt werden.
Captcha.netNeuer Anreiz durch gelöstes Puzzle
Seit rund zwei Jahren forschen wissenschaftliche Teams an der Entwicklung solcher Tests - und daran, sie zu überlisten. So ist es Forschern des Palo Alto Research Centers bereits gelungen, ein Gimpy-Puzzle mit Hilfe einer Software zum Scannen von Texten für Computer lösbar zu machen.
Doch ein durch Rechenkraft gelöstes Puzzle ist für die Wissenschaftler nur neuer Anreiz. So sind die Forscher der Carnegie Mellon University auch über den kommerziellen Einsatz ihrer CAPTCHAS bei Firmen wie Microsoft hocherfreut.
Denn die Versender von Spammails bemühen sich natürlich darum, die neuen Hotmail-Hürden zu überspringen, und das ist ein willkommener Test der Abwehrmaßnahme. Ganz gleich, ob der CAPTCHA-Code irgendwann geknackt wird, oder nicht - in jedem Fall ergeben sich wichtige Forschungsergebnisse, erklärt Luis von Ahn.
Unterscheidung Mensch - Maschine
Entweder macht die Entwicklung der künstlichen Intelligenz einen Riesensprung nach vorne. Oder es wurde mit dem CAPTCHA tatsächlich ein endgültiger Weg gefunden, um Menschen von Maschinen zu unterscheiden.
