16.12.2002

SUBKONTINENTAL

Bildquelle: PhotoDisc/ORF.at

Microsofts Offensive in Indien

Nach der Tour von Microsoft-Chef Bill Gates zu Wohltätigkeitszwecken im November hat Microsoft nun der indischen Regierung den Source-Code von Windows zur Einsicht angeboten.

Man will Teilen der indischen Regierung den Quellcode für E-Government-Projekte und Bildungsprogramme zur Verfügung stellen. Ein entsprechendes Angebot soll dem indischen Technologieministerium bereits unterbreitet worden sein.

Genauere Details des Deals sind noch nicht bekannt, laut internen MS-Quellen sollen aber bereits verschiedene Gespräche über etwaige Modalitäten gelaufen sein. Auch der Chef der indischen Dependance, Rajiv Nair, hat den Schritt nicht dementiert. "Wir evaluieren die Idee [den Source-Code weiterzugeben]."

Keine Linux-Programmierer in Bangalore

Der Schritt kommt just zu dem Zeitpunkt, da sich die indische Regierung für den OS-Konkurrenten Linux interessiert. Auch indische Softwarefirmen entscheiden sich immer öfter für Linux und entwickeln dafür.

Free-Software-Pionier [GNU/Linux] Richard Stallman beschuldigt MS, die Situation von armen Regierungen und Firmen auszunutzen und sie von teuren Produkten abhängig zu machen.

Ein Sprecher der indischen Regierung meinte, dass eine Firma nur auf Grund ihres Erfolges nicht auch gleich schuldig sei. In seinem Bundesstaat Karnataka könnten nicht genügend Programmierer für Linux gefunden werden, außerdem könne sich sein Land die Entwicklung eines eigenen OS nicht leisten.

Bei seinem Besuch kündigte Gates an, .Net-Software für die Entwicklung von E-Government kostenlos zur Verfügung zu stellen, außerdem eine Initiative für Breitband-Anschlüsse an den Schulen.

400 USD Verdienst pro Jahr

Der Durchschnittsverdienst in Indien beträgt 400 USD pro Jahr, der Preis für Windows, mit Steuern und Importkosten, beläuft sich auf fast genau diese Summe. Laut Gates soll MS-Software für bestimmte Projekte sehr günstig bis gratis zur Verfügung stehen.

Die indische Regierung hat ein weiteres Angebot der Redmonder Softwarefirma, 400 Mio. USD in Ausbildung, Geschäftsbeziehungen und Softwareentwicklung zu investieren, bereitwillig angenommen. Das Geld soll auch in die Entwicklung lokaler Windows-Versionen fließen, die erste geplante Version ist in Hindu.

Microsoft spielt die Gefahr von Linux für seine Programme in Indien herunter. Bei IT-Projekten würden die Kosten für das OS nur ein bis drei Prozent der Gesamtkosten ausmachen, und Studien hätten gezeigt, dass diese Kosten mit der eigenen Software im Vergleich zu Linux gesenkt werden können, so Peter Hayes, Vizepräsident der MS-Government-Abteilung.