Hochrangiger EU-Mitarbeiter geht zu MS
Die Europäische Kommission untersucht derzeit, ob und in welchem Umfang der Wechsel eines ihrer hochrangigen Mitarbeiter zu Microsoft dem Softwaregiganten wertvolle Informationen über das anstehende Kartellverfahren zuspielen könnte.
Der Deutsche Detlef Eckert war seit 1996 Leiter der Grundsatzabteilung in der EU-Generaldirektion für Informationsgesellschaft.
"Wir glauben nicht, dass er vertrauliche Informationen an Microsoft weiterleiten wird", sagte EU-Technologie-Sprecher Per Haugaard. Eckert sei vor allem mit den Bereichen Breitband und Cyber-Security betraut gewesen.
Außerdem habe man eine Zusicherung von Eckert, dass er keinerlei vertrauliche Belange der EU-Kommission an MS weitergibt.
Grundsatzabteilung für InformationsgesellschaftKonkurrenz nicht einverstanden
Doch während die EU-Kommission beteuert, dass Eckert selbst nie mit dem Microsoft-Verfahren und der Net-Untersuchung betraut war, sehen das die Konkurrenten des Redmonder Konzerns etwas anders.
Ed Black, Präsident der Computer and Communications Industry Association [CCIA], der Mitglieder wie AOL Time Warner, Sun, Nokia, Fujitsu und Oracle angehören, erklärte, er selbst habe mit Eckert bereits Gespräche über Microsoft geführt. Dabei habe er klipp und klar seinen Standpunkt zum MS-Verfahren vertreten und auch über künftige Strategien gesprochen.
Eckert selbst sei zwar nicht der zuständige Wettbewerbskommissar, er sei aber derjenige, der diesem Bereich wohl am nächsten komme.
Business-Bereich für Computersicherheit
In seinem neuen Job bei Microsoft wird Eckert im Business-Bereich
für Computersicherheit eingesetzt. "Er wird weiterhin nichts mit dem
Kartellverfahren zu tun haben", erklärte MS-Sprecherin Anoush der
Boghossian.
MicrosoftEntscheidung für Ende 2002 erwartet
Nach dem Sieg Anfang November für Microsoft vor Gericht in den USA wartet nun noch in der EU ein weiteres Kartellrechtsverfahren auf den Konzern von Bill Gates.
Hier ermittelt die EU-Kommission wegen des Verdachts, dass der Konzern seine marktbeherrschende Stellung bei den Arbeitsplatzrechnern ausnutzt, um seine Position bei den Servern zu verbessern, und untersucht, ob die Integration des Media Players in das Windows-Betriebssystem Konkurrenten benachteiligt.
Bis Ende des Jahres soll Wettbewerbskommissar Mario Monti die Beschwerden gegen Microsoft geprüft haben und eine vorläufige Entscheidung fällen.
