Podcaster bangen um ihre Rechte

14.09.2006

In der Podcasting-Szene formiert sich Widerstand gegen ein internationales Abkommen, das Rundfunkunternehmen und Webcastern umfassende Rechte auch an Inhalten garantieren will, die ihnen eigentlich nicht gehören.

Seit Anfang dieser Woche verhandeln internationale Regierungen in Genf über ein Abkommen im Rahmen der "World Intellectual Property Organisation" [WIPO], das Rundfunkunternehmen vor "Signalpiraterie"schützen soll.

Im Rahmen des "Treaty on the Protection of Broadcasting Organizations" sollen Rundfunkanbieter Rechte an Sendungen bekommen, die im Urheberrecht zurzeit nicht berücksichtigt sind. So würde der Vertrag Sendeanstalten für 50 Jahre Rechte an Inhalten garantieren, die von ihnen ausgestrahlt werden, auch wenn sie den Sendern gar nicht gehören.

Die von einigen Regierungen, darunter jener der USA, geforderte Ausdehnung des Abkommens auf das Internet hätte vor allem für Produzenten von Podcasts unangenehme Folgen. Dadurch, kritisiert die Internet-Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation [EFF], könnte "jeder der eine Kombination von Ton und Bild über einen Webserver verbreitet", bei ihrer Wiederverwertung mitreden.

"Innovation gefährdet"

Das Einbinden von fremden Audio- und Videoinhalten, selbst wenn diese unter einer freien Lizenz verbreitet wurden, würde langwierige Verhandlungen um die Rechte notwendig machen und so die Wiederverwertung faktisch unmöglich machen. Das, heißt es in einem Papier der EFF, würde nicht nur "die Innovation gefährden und den Zugang der Bürger zu Information behindern, sondern auch die Natur des Internets als Kommunikationsmedium verändern."

Die Internet-Bürgerrechtsbewegung wandte sich in einem offenen Brief an die WIPO, in dem auf die Gefahren des Abkommens hingewiesen wurde. Unterzeichnet wurde der Aufruf, der dem Gremium am Montag vorgelegt wurde, auch von zahlreichen internationalen Podcasting-Verbänden und Podcastern.

Thomas Wanhoff vom deutschen Podcast-Verband, der das Papier auch unterschrieb, verweist gegenüber ORF.at auf die Problematik der WIPO-Pläne für Podcasting-Produzenten: "Podcasts stehen zumeist unter freien Lizenzen und dürfen natürlich übernommen werden. Das Abkommen würde es aber Infrastrukturbetreibern ermöglichen, über die Inhalte zu bestimmen."

Dass der Vertrag in dieser Form beschlossen wird, glaubt Wanhoff zwar nicht, dennoch sei es wichtig, im Netz die Stimme dagegen zu erheben, um den Lobbyisten der großen Unternehmen etwas entgegenzusetzen. "Herauskommen wird wahrscheinlich eine Kompromisslösung," vermutet er.

Die EFF ist nicht die einzige Organisation, die das geplante Abkommen kritisiert. Bereits im Juli warnte eine von der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation UNESCO in Auftrag gegebene Studie vor Einschränkungen von Meinungs- und Informationsfreiheit durch einen, mittlerweile entschärften, Entwurf eines Vertragsvorschlages zur "Broadcasting Treaty".

Johnny Haeusler vom Berliner Weblog Spreeblick, der auch erfolgreich Podcasts produziert, spricht sich gegenüber ORF.at "natürlich" gegen das Abkommen aus. Er befürwortet alles, "was das Urheberrecht weiter öffnet".

"Durch den Kakao gezogen"

Haeusler macht sich jedoch über die massenhafte Produktion von Inhalten im Internet grundsätzliche Gedanken: "Die große Frage für mich ist, wenn wir jetzt alle Content produzieren, am Ende aber die Aggregatoren wie etwa Google damit Geld verdienen, wo denn da die Revolution bleibt und ob wir da nicht alle durch den Kakao gezogen werden."

(futurezone | Patrick Dax)