Satelliten als "Internet-Turbo"
Internet via Satellit verspricht Bandbreite auch außerhalb von Ballungszentren. Die Bandbreiten sind dabei nach oben fast unbegrenzt skalierbar, da ein einzelner digitaler Transponder 38 Mbit/s übertragen kann ¿ sagt zumindest der weltgrößte Satellitenbetreiber SES über seine "Astra"-Satelliten.
Damit aber der Satellit weiß, welche Daten er senden soll, muss der User diese zuerst anfordern. Dies geschieht in der Regel über eine schmalbandige Festnetz-Telefonverbindung, kann aber auch über Mobilfunk oder andere terrestrische Technologien erfolgen.
Die angeforderten Daten werden primär über die terrestrische Leitung zum User geschickt, was kürzere Pingzeiten ermöglicht. Dennoch sind die tatsächlichen Laufzeiten für manche Anwendungsgebiete wie Börsenanwendungen oder Onlinespiele zu lang.
Was man braucht
Wer Internet via Satellit nutzen möchte, benötigt neben einem
herkömmlichen Modem und einem entsprechenden Vertrag mit einem ISP,
eine Satellitenschüssel mit digitalem LNB sowie entsprechende
PC-Hardware [interne PCI-Steckkarte oder externe USB-Box].
Preisbeispiel eines deutschen AnbietersZuschaltbarer Turbo anstatt Dauerlösung
Erst der die herkömmliche Anbindung übersteigende Brandbreitenbedarf wird über die Satellitenverbindung abgedeckt. Dabei werden die Daten zu einer Sendestation [Uplink] geleitet, welche sie zum Satelliten schickt. Dieser strahlt sie schließlich wieder auf die Erde zurück.
Welche Art von Multiplexing dabei genutzt wird, damit jeder User "seine" Daten aus dem Bitstrom errechnen kann, konnte trotz mehrmaliger Nachfrage bei Astra seit Mittwoch nicht in Erfahrung gebracht werden.
Astra will das Angebot auch als "Internet-Turbo" vermarkten. Dabei sollen die Endkunden über terrestrische Verbindungen online gehen. Wenn sie eine größere Datenmenge saugen wollen, können sie mittels Klick eine breitbandige Satellitenverbindung zuschalten.
Besondere Eignung für Webcasting
Die Übertragung von Daten via Satellit eignet sich besonders für Webcasting-Angebote, da hier ein bestimmter Content an eine Vielzahl von Usern verteilt werden soll. Die Bandbreite der Übertragung wird bei einer Live-Übertragung daher nur einmal benötigt, während bei herkömmlicher terrestrischer Verbreitung für jeden User einzeln Übertragungskapazitäten erforderlich sind.
Bandbreiten Limit durch Schmalband-Retourleitung
Tatsächlich mögliche Downloadraten sind allerdings gar nicht so sehr von der Bandbreite des Satelliten-Transponders abhängig, sondern werden in der Praxis durch die schmalbandige Uploadverbindung des Users begrenzt.
Im Rahmen des TCP/IP-Protokolls muss nämlich für empfangene Datenpakete [in der Regel kleinere] Datenpakete als "Empfangsbestätigung" zurückgeschickt werden. Deshalb ist das Downlink-Tempo stets auch vom Uplink-Tempo abhängig.
Theoretisch sind auch direkte Uplinks vom User zum Satelliten möglich, diese sind aber für den Consumer-Markt noch zu kostspielig. Außerdem sind die Laufzeiten bei Anforderung von Daten von einem Server durch die große Entfernung zum Satelliten und wieder zurück zur Erde [also viermal zirka 33.000 Kilometer] oft noch länger.
