Ein neuer "Hort" für Microsofties
Immer wieder wettert Microsoft-Gründer Bill Gates gegen die Ausbildung an US-Schulen und -Universitäten. Nun hat der Softwarekonzern die Chance zu zeigen, wie und ob es besser geht: In Philadelphia hat mit Unterstützung Microsofts die erste "School of the Future" ihre Tore geöffnet.
Microsoft hat sich dabei nicht an den Errichtungskosten von 63 Mio. Dollar [knapp 50 Mio. Euro] beteiligt, sondern sein Know-how in den Bereichen Personalführung und Managament einfließen lassen.
Auf der Suche nach Rohmaterial
Philadelphia sei auf Microsoft zugekommen und habe gefragt, ob Microsoft eine Schule bauen könne, so Craig Mundie, Microsofts oberster Forscher und Strategiechef.
Die Firmen hätten sich schon länger beschwert, dass die Schulen keine Absolventen mit den passenden Fähigkeiten hervorbringen, um sich auch international bewähren zu können, so Mundie. "Unser Rohmaterial sind gewiefte Leute."
170 Schüler wurden per Lotterie ausgelost, um ihr erstes High-School-Jahr dort zu verbringen. Die Schule plant in Zukunft bis zu 750 Schüler aufzunehmen.
Rhythmus wie im Arbeitsleben
Auf 14.458 Quadratmeter Grundfläche sollen die Schüler, auch "Learners" genannt, von Beginn an an das Arbeitsleben und dessen Rhythmus gewöhnt werden: Der Unterricht beginnt um 9.15 Uhr und endet um 4.19 Uhr.
Ihre Anwesenheit registrieren sie über Smart Cards, die auch gleichzeitig als Spind-Schlüssel dienen und die tägliche Kalorienzufuhr aufzeichnen. Statt Büchern gibt es Notebooks, der gesamte Campus ist mit drahtlosem Internet via WLAN ausgerüstet.
Drahtlos, interaktiv, vernetzt
Die Lehrer, "Educators" genannt, schreiben nicht auf gewöhnlichen Tafeln, sondern auf interaktiven Smart Boards, auf denen sie schreiben, rein- und rauszoomen und auch direkt ins Internet gehen können.
Statt einer Bibliothek gibt es ein "Interactive Learning Center", wo alle Information digital vorhanden sind und "Multimedia-Spezialisten" den Schülern helfen.
Die Cafeteria wurde als weitläufiges Areal mit Restaurantcharakter angelegt.
Management a la Microsoft
Die größte Änderung gibt es aber in der Organisation der Schulstunden und des -lebens: Hier wurden die auch bei Microsoft-Mitarbeitern angewendeten Management-Strategien implementiert.
Alle Beteiligten müssen sich in Gebieten wie Organisation, Planung, Verhandlungen und dem Umgehen mit Doppeldeutigkeiten und Beziehungen konstant fortbilden.
Software überprüft Lernfähigkeit
Die Schüler haben fix eingeplante Treffen mit ihren Lehrern, die sie in ihrem Online-Kalender abrufen können.
Auf ihren Notebooks überprüft eine Software, wie schnell sie den Lehrstoff lernen. Je nach Fähigkeit bekommen sie dann mehr Stoff zugemutet oder Hilfestellung.
Beobachter sind beeindruckt von dem Projekt und den neuen Methoden, weisen aber auch darauf hin, dass man vorsichtig sein muss: "Es geht hier um Kinder und deren Leben", so ein Vertreter der Universität von Pennsylvania.
(AP)
