26.10.2002

LUG & TRUG

Bildquelle: PhotoDisc

Lügendetektor "TrusterPro" ist unwirksam

Das von einer israelischen Firma vertriebene computergestützte Lügendetektor-System "TrusterPro" ist für eine zuverlässige Entdeckung von Lügen oder Lügnern absolut nicht geeignet.

Dies ergaben neue Studien der Abteilung Allgemeine Experimentelle Psychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

TrusterPro ist für professionelle Anwender gedacht, die mit Hilfe der Stimmstressanalyse den Wahrheitsgehalt von Aussagen herausfinden wollen.

Wie die Mainzer Forscher bekannt gaben, ist die Trefferquote des Programms jedoch kaum besser als das Ergebnis beim Wurf einer Münze.

Stimmstressanalyse funktioniert nicht

Hans-Georg Rill hat zusammen mit seinem Mitarbeiter Matthias Gamer das System mit Hilfe des so genannten "Tatwissentests" untersucht. Der Test werde auch in der forensischen Psychophysiologie zum Aufdecken einer etwaigen Täterschaft eingesetzt:

Verdächtige Personen müssen dabei Fragen zum Tatwissen beantworten und werden je nach Körperreaktion als schuldig oder unschuldig eingestuft.

"Im Vergleich zu den klassischen Variablen wie Hautleitfähigkeit, Atmung und Herzschlag ist der Beitrag des TrusterPro zur Wahrheitsfindung nicht der Rede wert", kommentierte Hans-Georg Rill.

TrusterPro mit Trefferquote von 57 Prozent

Bei dem anschließenden Test ergaben Messungen der Hautleitfähigkeit, Atmung und Herzfrequenz eine Gesamttrefferquote von 95 Prozent. Bei den unschuldigen Personen wurden 97 Prozent korrekt identifiziert, d.h. nur eine Person von 30 wurde fälschlicherweise als schuldig eingestuft. Die Täter konnten zu 93 Prozent entlarvt werden.

Völlig anders dagegen fiel das Ergebnis bei der Stimmstressanalyse mit dem TrusterPro aus: Die Gesamttrefferquote von 57 Prozent liegt nur marginal

über einem Ergebnis von 50 Prozent, welches durch rein zufällige Zuordnung der Probanden zur Gruppe der Täter beziehungsweise zur Gruppe der Unschuldigen zu erwarten wäre.

Das heißt, um Täter zu entlarven oder Unschuldige freizusprechen, könnten die Tester fast genauso gut eine Münze werfen.

"Made in Israel" gibt Kunden Gefühl der Sicherheit

Die Mainzer Ergebnisse decken sich mit zwei Studien aus den USA, die ebenfalls "desillusionierende Befunde" erbracht haben. Dennoch wird das Gerät etwa bei Sicherheits-Checks auf Flughäfen angewandt und möglicherweise auch von der Polizei eingesetzt. "Der Glaube, dass der TrusterPro vom israelischen Geheimdienst entwickelt wurde, gibt ihm das entscheidende Flair und wiegt die Kunden in Sicherheit", sagte Rill.