Afghanistan erhält zweites GSM-Netzwerk
Afghanistan erhält ein zweites GSM-Netzwerk. Gestern, Samstag, wurde in Afghanistan die entsprechende Mobilfunklizenz vergeben.
Der Staat hat einem internationalen Konsortium die Erlaubnis erteilt, das Netzwerk zu errichten. Das Konsortium wird vom Aga Khan Fund for Economic Development [AKFED] geleitet, das 51 Prozent der Anteile am Projekt hält.
Monaco Telecom International [MTI] hält 35 Prozent, der US-Konzern MCT 9 Prozent und der französische Telekom-Ausrüster Alcatel 5 Prozent. Die Konsortialteilnehmer wollen zusammen 55 Millionen US-Dollar investieren. Bis 2010 soll das Investment auf 120 Millionen erweitert werden. Alcatel wird darüber hinaus Finanzierungsangebote für technisches Equipment vorlegen.
World Bank überlegt Einstieg
Die International Finance Corporation, ein Sektor der World Bank,
will eventuell in das Projekt einsteigen.
Der Aga Khan Fund for Economic DevelopmentBisheriges Netz ist überlastet
Das GSM-Netzwerk wird zuerst in sechs Städten installiert - Kabul, Herat, Kandahar, Mazar-i-Sharif, Jalalabad und Kunduz. Innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre sollen weitere Städte ans drahtlose Netz angebunden werden.
Dadurch soll die Telekominfrastruktur des Landes einen dringend benötigten Entwicklungsschub erhalten. Das einzige bislang bestehende kommerzielle Mobilfunknetz des Landes, betrieben von der AWCC, ist mit den derzeit 20.000 Nutzern Berichten zu Folge überlastet.
Oft soll es nahezu unmöglich sein, Anruf zu tätigen. Gleichzeitig sind Telefone und Gebühren so teuer, dass das Service für Normalverbraucher unerschwinglich ist.
Afghan Wireless Communication Company
Die AWCC ist ein Joint Venture der afghanischen Regierung mit der
in New York ansässigen Telephone Systems International. AWCC hat am
6. April das erste afghanische GSM-Mobilfunknetz in Betrieb genommen
und versorgt damit derzeit die fünf größten Städte des Landes.
Erste Internetcafes in KabulDer AKFED hat mit Alcatel bereits in Südasien zusammengearbeitet, mit MCT in Zentralasien. MTI hat Erfahrung mit dem Aufbau von GSM-Netzwerken in den Krisenregionen des Kosovo und Balkans.
Ein Festnetzwerk ist in Afghanistan kaum vorhanden. In Kabul [beinahe zwei Mio. Einwohner] gibt es nur 12.000 Telefonanschlüsse - aufgeteilt auf zwei inkompatible Systeme ohne Verbindung untereinander.
