29.09.2002

M@TRIX FORUM

Bildquelle: PhotoDisc

Die Renaissance des Silicon Valley

Statt auf Schilder mit der Aufschrift "Willkommen im Tal der Superreichen!" trifft man heute auf handgeschriebene Tafeln wie "Porsche günstig abzugeben". Auf den ersten Blick gibt es keinen Zweifel: Das Märchen im Silicon Valley ist zu Ende und gar nicht happy.

Adrian Scott, der bereits mit 20 seinen Doktor in der Mathematik gemacht hat, galt während der 90er Jahre als eines der unumstrittenen Wunderkinder im Silicon Valley. Doch obwohl renommierte Konzerne wie Computerriese Hewlett Packard und Online-Broker Charles Schwab in seine digitale Bild-Übertragungs-Firma investierten, hat auch er damals pleite gemacht.

Die kalte Dusche hat gewirkt. Adrian ist bescheiden geworden. Er hat kein schickes Büro mehr, sondern arbeitet von zu Hause aus. Auch bei ihm lautet die oberste Geschäftsdevise jetzt: Kosten sparen

Sein neues Unternehmen ist "Rize.com", eine Art interaktive Informations- und Kontaktbörse für technologieinteressierte User.

Gameboys der amerikanischen Westküste

So offensichtlich die finanziellen Nöte und so berechtigt die Zukunftsängste auch sind: Zum ersten Mal seit langem regt sich auch wieder etwas in der Wiege der New Economy. So mancher gestrandete Internetpionier ist aus der Resignation erwacht und wagt ein Comeback. Optimismus und Gründergeist, die Triebfedern des amerikanischen Cyber-Wunders, sind, wenngleich zumeist diskret und im Verborgenen, wieder auf dem Vormarsch.

Aus den Gameboys der amerikanischen Westküste sind ernsthafte, pragmatische Unternehmer geworden. Selbst alte Hasen wie Bruce Targain sind voller Respekt. Der Risiko-Kapitalgeber kann es manchmal gar nicht fassen, wie professionell die Menschen sind, mit denen er nun zu tun hat. Beobachtungen wie diese hört auch Konjunkturforscher Steven Levy gerne. Bei ihm ist der Unmut gegen die Verschwendungssucht und Ausschweifungen der Internet-Ära mittlerweile in Lob und Bewunderung für die junge Cybergeneration umgeschlagen.

Steven Levy im Interview:

"Im großen und ganzen haben diese jungen Leute sich wacker geschlagen. Anders als die Stahlindustrie oder die Fluggesellschaften haben sie nicht in Washington angeklopft und um staatliche Beihilfen gebettelt. Wer hier Fehler macht, falsch investiert oder seine Ersparnisse verspielt, steht selber dafür gerade. Das hat kulturelle Gründe: die Unternehmensgründer aus dem Silicon Valley halten große Stücke auf Risikobereitschaft, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. In guten wie in schlechten Zeiten."