Der Wahlkampf: "Alles Internet!"
Von Podcasts, Blogs und Flash-Filmen angefangen bis zu eigens eingerichteten Wahlkampf-Websites wie Unterfreunden.at und Wir-sind-wir.at ziehen die Parlamentsparteien vor dieser Wahl alle zur Verfügung stehenden Register im Internet.
Das Wahljahr 2006 wird als jenes in die Geschichte eingehen, in dem die österreichische Politik das Web tatsächlich entdeckte.
Allenthalben wird im Netz geblogt, gespielt, gerappt, Gratis-SMS, Flash-Movies, E-Cards und Podcasts angeboten, dass es eine Art hat. Das passiert bevorzugt über zusätzliche Domain-Namen, die der Parteibezeichnung semantisch fern stehen.
Unter Freunden ...
Die SPÖ benutzt etwa die Adresse Unterfreunden.at, um mit Gewinnspielen, einem Nachwuchsband-Wettbewerb und Diskussionsforen junge Menschen anzusprechen.
Dazu kommen Flash-Movies auf Scherzerl.at und die schon in den letzten Wahlkämpfen üblichen Gratis-SMS, Konzertkarten und andere kleine Aufmerksamkeiten für das jugendliche Wahlvolk.
... sind wir wir
Auf Wir-sind-wir.at wiederum blogt "Euer Jörg", desgleichen gibt es einen Webshop, um T-Shirts und Kugelschreiber unter die Leute zu bringen, der Punkt "Wir sind wir.Links" im Navigationsmenü ist allerdings nicht als politische Aussage zu verstehen.
Vielmehr führt er zu den Websites Freiheitliche-Kaernten.at des BZÖ Kärnten und der recht einfach gehaltenen Webpräsenz des BZÖ.
Die werde in den kommenden Tagen einem "Relaunch" unterzogen, heißt es dazu vom BZÖ.
Unterstützung in Permanenz
"Spannende Lektüre" seines Wahlblogs wünscht sich hingegen ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka auf der offiziellen Website Oevp.at, doch auch die Kanzlerpartei bedient sich mehrerer anderer Domains.
Auf Erfolgreich.at tagt das Unterstützerkomitee für ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel in Permanenz, um online weiter Unterstützungserklärungen zu sammeln, etwa 2.000 waren es am Dienstagnachmittag.
Das ganz in Orange gehaltene Jugendportal Zukunft.at - "eine Initiative von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel" - verfügt nach eigenen Angaben über 40.000 User, die auf der ganz in Kleinschreibung gehaltenen Website als "nichtraunzer/innen" tituliert werden.
Etwas unübersichtlicher wird es bei den Grünen, denn die haben lange vor dem Start des Wahlkampfs ihre Blogger ausgeschickt.
Peter Pilz und Christoph Chorherr, aber auch eine ganze Anzahl anderer Grün-Politiker bloggen schon seit mehreren Jahren auf eigenen Websites bzw. auf Blogger-Plattformen wie Twoday.net.
Man sei eben mitten in einem Internet-Wahlkampf, sagt dessen Leiterin Michaela Sburny, die wahlkämpfende Parteispitz blogt kollektiv unter 20jahre.gruene.at.
"B2B-Plattform" der Grünen
Die bisher einzige, vor dem Wahlkampf von den Grünen eingerichtete Zusatz-Domain Microstars.at stammt von der grünen Wirtschaft. Kleine und mittlere Unternehmen sollen mit dieser "B2B-Plattform" auch nach der Wahl unterstützt werden, bessere Kontakte zu großen Firmen aufzubauen.
Dazu kommt eine auffällige Abstinenz von den auf anderen Partei-Websites üblichen, zumeist mehr hanebüchenen denn lustigen Polit-Witzen, Karikaturen und Polemiken. Dass man sich für den "Fremdenrechtsfall der Woche" den Titel "Prokops 'Ene mene mu, raus bist du'" leistet, fällt bei so viel Zurückhaltung schon beinahe unter Polemik.
Schlicht und formal
"Ich lass' mir den Mund nicht gern verbieten, auch wenn die Gutmenschen noch so wüten", heißt es hingegen im "HC-Rap", der zum Download auf der FPÖ-Website zu haben ist.
Die ist ansonsten schlicht und formal im Stile einer Nachrichten-Website gehalten, die eben mit Presseaussendungen bestückt ist.
Interessant am Rande ist, dass auf der Frontpage der ÖVP-Website "echte" Kurznachrichten direkt mit den zugehörigen Artikeln auf österreichischen und internationalen Nachrichten-Websites verlinkt sind - Links von einer Frontpage zu Fremd-Websites sind nicht nur in der Politik selten.
Die Grünen wiederum sind anscheinend die einzige Partei, in der es T-Shirts und andere Aufmerksamkeiten nicht gratis gibt.
(futurezone | apa)
