Ralph Lauren testet "Holo-Shopping"

Schaufenster
10.08.2006

Der klassische Schaufensterbummel bekommt ein Update: Der US-Bekleidungshersteller Ralph Lauren hat die Fensterscheibe seines Flagshipstores in New York zum virtuellen High-Tech-Shop umgerüstet.

Schaufenster als Riesen-Touchscreen

Passanten können jetzt beim Ralph-Lauren-Geschäft in der Madison Avenue unabhängig von Ladenöffnungszeiten gediegene Tennishemden kaufen. Die mehrere Millionen Dollar teure Technologie projiziert die Angebote des virtuellen Shops von innen an die Auslage.

Auf die rund 170 Zentimeter hohe Scheibe wurde eine berührungsempfindliche Folie angebracht; das Schaufenster wird so zum überdimensionalen Touchscreen. Mit einem "Klick" auf die Glasscheibe kann der Kunde Größe und Farbe des gewünschten Produkts ändern. Im Angebot sind - wenig überraschend - Polohemden sowie Uniformen für Ballbuben und -mädchen.

Bezahlung via Kreditkarte

Der virtuelle Shop ist - im Gegensatz zur "echten" Version hinter der Glasscheibe - rund um die Uhr geöffnet. Bezahlt wird mittels eines Kreditkartenlesers, der am Schaufenster montiert ist. Nach erfolgter Transaktion können sich die Kunden die bestellte Ware zustellen lassen oder sie später im Geschäft abholen.

Eine Überwachungskamera soll Kreditkartenbetrüger von der High-Tech-Scheibe fernhalten. Außerdem patrouilliert rund um die Uhr eine Sicherheitswache vor dem Geschäft - stilgemäß im Polo-Stil uniformiert.

"Impuls-Transaktion"

"Der Einzelhandel ist vor allem eine Impuls-Transaktion. Man geht gerade die Madison Avenue entlang, die Fifth Avenue, und jetzt will man sofort etwas kaufen", erklärte Laurens IT-Chef Paul Zaengle dem Wirtschaftssender CNBC. "Manche denken sich: 'Ich gehe heim und bestelle es', aber vergessen das dann. Wir wollen nun jene Kunden erobern, die sofort shoppen wollen."

Vorbild "Minority Report"

Die Inspiration zu dem Projekt war der Science-Fiction-Film "Minority Report" von Steven Spielberg. Hauptdarsteller Tom Cruise bedient dort mit Handbewegungen ein futuristisches 3-D-Display. "Ich wollte eine Möglichkeit finden, diese erstaunliche Technologie in Realität umzusetzen", erklärte Konzern-Vizepräsident David Lauren.

"Minority Report" ist auch das Vorbild für die neue "TouchLight"-Technologie, die es erlaubt, 3-D-Bilder mit Handbewegungen zu steuern.

Werbung für Tennis-Produkte

Auf die Konzernbilanzen wird sich der High-Tech-"Gassenverkauf" voerst wohl kaum auswirken. Das Schaufenster ist vor allem als Marketinginstrument für die Tennislinie des Modedesigners gedacht und soll auf die Sponsortätigkeit Ralph Laurens bei den US Open und bei Wimbledon hinweisen.

Die virtuelle Boutique wird vorerst bis zum 10. September geöffnet sein. Bei entsprechendem Erfolg würden dann weitere Ralph-Lauren-Filialen mit der Technologie ausgestattet.

(futurezone | Reuters | AP)