Telering angeblich vor Verkauf an TA
In der neuesten Format-Ausgabe wird berichtet, dass tele.ring [Österreichs kleinster Mobilfunk-Netzbetreiber, ist auch im Festnetzgeschäft tätig] vor einem Verkauf an die Telekom Austria [TA] stünde.
Die TA ist auch Mutter des größten heimischen Mobilfunkanbieters Mobilkom. Für eine Stellungnahme war am Wochenende bei allen Seiten niemand erreichbar.
Laut dem Bericht sollen bereits Verhandlungen zwischen dem tele.ring-Eigentümer Western Wireless und dem TA-Konzern stattgefunden haben.
Ein halbes Dutzend Beispiele
Bislang war das Verhältnis zwischen den beiden Konkurrenten
weniger von kooperativem Gedankengut geprägt. Erst im Juli hatte
tele.ring angekündigt, der TA den Universaldienststatuts und die
damit verbundenen Subventionen abjagen zu wollen. Allerdings hat die
Regierung entschieden, den Universaldienststatus des ehemaligen
Monopolunternehmens ohne Ausschreibung zu verlängern. Links zu
Episoden aus dem Dauerstreit sind am Ende dieses Artikels zu finden.
Tele.ring will TA Subventionen abjagenÜbernahme wäre Überraschung
Der Deal wäre jedenfalls eine Überraschung. Bedenkt man die schlechte Stimmung zwischen tele.ring und der Telekom, die sich seit langem gegenseitig in diversen Gerichtsverfahren beharken, erscheinen Verhandlungen bezüglich einer Übernahme unwahrscheinlich.
Allerdings kennt Mobilkom-Chef Boris Nemsic die Werstern Wireless Manager, da die Mobilkom und WW ein gemeinsames Unternehmen in Kroatien betreiben. [Der kroatische Mobilfunker VIPnet gehört zu 71 Prozent der Mobilkom, zu 19 Prozent Western Wireless. ]
Diese Kontakte könnte Nemsic zu Verhandlungen genutzt haben. Wenn es tatsächlich zu einer Übernahme kommt, könnte tele.ring ein ähnliches Schicksal drohen, wie dem gescheiterten italienischen Netzbetreiber "Blu".
Das "Blu"-Schicksal
Der kleinste italienische GMS-Netz-Betreiber "Blu" ist
gescheitert. Nachdem man bislang nur vier Prozent Marktanteil
[tele.ring hat in Österreich ebenfalls rund vier Prozent] und keine
UMTS-Lizenz ergattern konnte, hatten sich die Aktionäre vor Monaten
zur Einstellung des Betriebes entschlossen. Die Verschiedenen Teile
von Blu gehen nun an die Konkurrenz.
So wird filetiertTele.ring könnte den "Blu"es singen
Bleibt die Lizenzfrage. Sowohl der TA-Konzern als auch tele.ring verfügen jeweils über ein GSM-Netz samt dazupassender Lizenz sowie eine UMTS-Lizenz.
Sollte der Ex-Monopolist tatsächlich den Konkurrenten übernehmen, müssten die Lizenzen entweder zurückgeben oder weiterverkauft werden, da ein Unternehmen nicht mehrere gleichartige Lizenzen halten darf. Doch ist das Marktumfeld für Lizenzen wie auch einen Verkauf der tele.ring-Sendeanlagen denkbar schlecht.
Tele.ring hat selbst nur einen symbolischen Euro für die UMTS-Lizenz an den Ex-Eigentümer Mannesmann bezahlt, während die österreichische Telefonica-Moviles-Tochter ihre UMTS-Lizenz und das damit verbundene Engagement in Österreich überhaupt schon zur Gänze abgeschrieben haben dürfte.
Darüberhinaus wäre im Rahmen der Mitte Oktober erfolgenden, letzten Versteigerung von GSM-Funkfrequenzen durch die Regulierungsbehörde eine GSM-Lizenz zum "Schleuderpreis" erhältlich.
Die tele.ring-Eckdaten
Das sowohl im Festnetz- als auch Mobilfunkbereich tätige
Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über ein Glasfasernetz mit
rund 4.000 Kilometern Länge und besitzt Wegerechte für weitere
18.000 Kilometer. Das GPRS-fähige Mobilfunknetz [1800 MHz-Band]
deckt 98 Prozent der Bevölkerung ab. Mit rund 700 Mitarbeitern
werden nicht ganz eine halbe Million Kunden mit Sprach- und
Datendiensten versorgt. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten ist
tele.ring dabei fast Schuldenfrei.
Zahlen und FaktenGeheimtipp "3" [Hutchison]
Marktbeboachter hatten bislang eher mit einer Übernahme von tele.ring durch Hutchison spekuliert. Hutchison verfügt über eine österreichische 3G-Lizenz und will im März mit seinem "3" getauften UMTS-Netz starten.
Hutchison hat in der letzten Zeit mit einigen Aufkäufen angeschlagener Unternehmen oder Unternehmensteile von sich reden gemacht. Doch inbesondere die Österreich-Filiale ist im Schweigen geübt.
Als Ergänzung zum sicher nicht in gewohnter GSM-Netzabdeckung verfügbaren UMTS-Netz könnte 3 ein GSM-Netz mit Lizenz und das tele.ring-Leitungsnetz jedenfalls besser gebrauchen als die Telekom Austria.
Andererseits könnte der Konkurrenz dem TA-Konzern spätestens mit Einführung der Rufnummerportabilität im Mobilfunkbereich 2003 noch deutlich lästiger werden.
