Philips trennt sich von Halbleiter-Sparte
Nach dem Verkauf seiner Chip-Sparte will sich Philips verstärkt auf die Bereiche Lifestyle und Gesundheit konzentrieren. In Österreich sind 600 Mitarbeiter vom Verkauf betroffen, ein Stellenabbau ist aber nicht zu erwarten.
Noch am Mittwoch wollte der niederländische Elektronikkonzern Philips den Verkauf von Philips Semiconductor nicht bestätigen, nun ist der Handel perfekt: Die Halbleiter-Sparte geht für 3,4 Milliarden Euro an die Investmentfirmen Kohlberg Kravis Roberts & Co [KKR], Silver Lake Partners und AlpInvest.
Neuausrichtung geplant
Die Investorengruppe übernimmt mit 80,1 Prozent die Mehrheit der Chip-Sparte, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. 19,9 Prozent der Anteile bleiben im Besitz von Philips. Damit sei die Neuausrichtung auf weniger zyklische Aktivitäten abgeschlossen, das Unternehmen wolle sich nun verstärkt auf Elektronikprodukte für die Bereiche Lifestyle und Gesundheitspflege konzentrieren.
Nach der Ansicht von Branchenexperten hat das neue Halbleiterunternehmen nun als eigenständige Firma bessere Möglichkeiten, Kunden zu gewinnen, als das unter dem Dach von Philips der Fall gewesen wäre.
Philips Semiconductor stellt überwiegend Chips für Unterhaltungselektronik, Autos und Handys her. Weltweit werden etwa 37.000 Mitarbeiter beschäftigt, im vergangenen Jahr wurden 4,6 Milliarden Euro umgesetzt.
600 Mitarbeiter in Österreich betroffen
Der Verkauf der Halbleiter-Sparte hat auch Auswirkungen in Österreich: Von 1.800 Philips-Mitarbeitern wechseln 600 in das neue Unternehmen.
Konkret betroffen sind Philips Semiconductors Styria in Gratkorn und Philips Sound Solutions in Wien. Beide Unternehmensteile wurden bereits in den vergangenen Monaten in neue Tochtergesellschaften ausgelagert. Die beiden Standorte in Österreich sind laut Unternehmensangaben "auf Wachstum programmiert", ein Stellenabbau sei daher nicht zu erwarten.
Philips' Abschied aus der Technologie
Der Verkauf der Halbleiter-Sparte markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung des niederländischen Elektronikkonzerns: Mit dem Wegfall der Chip-Sparte - das Unternehmen lag im weltweiten Ranking der größten Halbleiterhersteller auf Platz acht - verabschiedet sich Philips von seiner Rolle als Technologieträger.
Halbleiter-Sparte 8,3 Mrd. Euro wert
Der derzeitige Wert von Philips Semiconductors wird in der Transaktion, die bis zum vierten Quartal abgeschlossen sein soll, mit 8,3 Milliarden Euro beziffert. Diese Bewertung setzt sich aus dem Kaufpreis [3,4 Milliarden Euro], den Schulden und Verbindlichkeiten [4 Milliarden Euro] und den Anteilen zusammen, die im Besitz von Philips bleiben [900 Millionen Euro].
6,4 Mrd. Euro Gewinn aus dem Verkauf
Die Erträge aus dem Verkauf werden nach Abzug von Steuern und Transaktionskosten bei rund 6,4 Milliarden Euro liegen. Durch eine Kombination aus Dividenden und Aktienrückkaufprogramm will Philips bis Ende 2007 vier Milliarden Euro an seine Aktionäre zurückführen. Der Rest des Ertrages soll in Segmente investiert werden, die ein margenstarkes Wachstum ermöglichen.
Philips zählt zu den größten Elektronikkonzernen der Welt mit weltweit rund 158.000 Beschäftigten und setzte im Vorjahr 30,4 Milliarden Euro um.
Die Chipbranche erzielte im Vorjahr mit einem Umsatz von 235 Milliarden Dollar das höchste Ergebnis seit dem Boomjahr 2000. Philips Semiconductors ist achtgrößter Chiphersteller der Welt.
(futurezone | APA | Reuters)
