Musikindustrie ändert Download-Politik
Nachdem die kostenpflichtigen Downloadservices der Musikindustrie bislang offensichtlich nicht besonders erfolgreich sind - es wurden zumindestens niemals Kundenzahlen genannt - scheint der Markt jetzt durch Lockerungen der Kopierschutzbeschränkungen und massive Preisnachlässe ernsthaft in Bewegung zu kommen.
Sony und Universal, die zusammen den Dienst "Pressplay" betreiben, wollen laut Informationen der "LA Times" eine drastische Ausweitung ihres Downloadprogramms auf ihr gesamtes Repertoire einleiten und gleichzeitig die Preise auf moderate 99 US-Cent pro Song senken.
Den Kunden soll zudem verstärkt erlaubt werden, die erworbenen Songs zu Kopieren, obwohl es in diesem Punkt noch teilweise widersprüchliche Aussagen gibt, wieweit dies gehen soll. Fest zu stehen scheint allerdings die völlige Freigabe der Songs zum Brennen au CDs.
Universal soll sogar planen, verschiedene Stücke noch vor dem Erscheinen als CD zum Download anzubieten.
PressplayNoch ein Schritt weiter
Mit einer entsprechenden Ankündigung ist vor rund einem Monat schon Universal Deutschland vorgeprescht: Als erstes kostenpflichtiges Online-Service der Musikindustrie soll "popfile.de" sogar auf jegliche Nutzungsbeschränkung wie einen Kopierschutz oder ein DRM-System [Digital Rights Management] verzichten.
"Die User können die kopierten Tracks auf CD brennen oder auf ihre MP3-Player überspielen", sagte Tim Renner, Chef von Universal Music Deutschland. "Die Leute sollen so positive Erfahrungen wie möglich machen - vor allem vor dem Hintergrund, dass sich die Musikindustrie gegen illegale Angebote wehren muss. Das komplette Repertoire von Universal Deutschland soll auf popfile.de bereit gestellt werden", versicherte Renner.
"Der Durchschnittspreis wird bei 99 Cent pro Track liegen. Preisdifferenzierungen sind nach Bekanntheitsgrad der Künstler und Songs möglich." Universal Deutschland will über popfile.de voraussichtlich ab dem 1. Juli Musik im MP3-Format online verkaufen.
Download-Service nach KundenwünschenMP3 oder Liquid Audio
Während Renner allerdings von MP3s sprach, über die der Käufer
völlig frei verfügen kann, will Unisversal in den USA offensichtlich
zunächst beim Format Liquid Audio bleiben und dabei zwar das Brennen
auf CD zulassen, aber den Online-Tuasch weiterhin unterbinden.
Universal Music DeutschlandKundenwünsche
Mit den Ankündigungen reagiert die Musikindustrie auf die wiederholte Kritik an ihren bisherigen kostenpflichtigen Services: Eine US-Studie kam zu Jahrsbeginn zu dem Schluss, dass die Musikindustrie mit ihren Download-Diensten nicht auf die Wünsche und Bedürfnisse der Konsumenten eingeht - obwohl diese prinzipiell an kostenpflichtigen Diensten Interesse haben.
Die Konsumenten wollen laut der Studie - im Gegensatz zu den Angeboten der aktuellen Services - ihre Musik besitzen, kontrollieren und darüber nach ihren Wünschen verfügen.
Um erfolgreich zu sein, müssten legale Dienste den Konsumenten daher erlauben, eigene "Playlists" zu schaffen und die Songs in die gewünschten Formate zu transferieren.
"Musikindustrie löst nur eigene Probleme"Timing entscheidet
Jenseits der Frage, wie weit Universal oder Sony ihre Services aktuell an die Kundenwünsche anpassen werden, gehen Beobachter davon aus, dass endlich Bewegung in den Markt gekommen ist, dem sich auch die anderen Major-Label nicht entziehen werden können.
Und einmal begonnen, wird sich die Entwicklung auch schlecht wieder rückgängig machen lassen, im Gegegnteil, es ist zu erwarten, dass die Industrie ihre Download-Dienste in nächster Zeit solange optimieren wird, bis ihnen ein ökonomischer Durchbruch gelingt.
Dabei könnte der Industrie vor allem ihr eigenes jahrelanges Zögern im Weg stehen. Dadurch haben sich Internet-Nutzer nämlich zum einen gründlich an die Gratis-Angebote der Tauschbörsen gewöhnt, zum anderen hat die Industrie sich durch ihre Abwehrhaltung selbst ein denkbar schlechtes Online-Image geschaffen.
