France Telecom lässt MobilCom fallen
Der seit Monaten öffentlich ausgetragene Streit um die Zukunft des deutschen Mobilfunk-Unternehmens MobilCom geht in seine entscheidende Phase:
Der Pariser Partner France Telecom setzte am Dienstag der Zusammenarbeit mit MobilCom ein Ende. Man sehe sich gezwungen, das Kooperationsabkommen vom März 2000 zu kündigen, erklärte das Unternehmen in Paris. Durch die Konflikte der vergangenen Monate sei das Vertrauen untergraben.
UMTS-Milliarden
In den vergangenen Wochen wurde mit einem Bankenkonsortium
darüber beraten, wie der im Juli fällige Kredit über 4,7 Milliarden
Euro für die von MobilCom ersteigerte UMTS-Lizenz abgelöst werden
könne, ohne den Schuldenstand von mehr als 60 Milliarden Euro bei
France Telecom weiter in die Höhe zu treiben.
France TelecomBegrenzte finanzielle Unterstützung
Der französische Großaktionär will das deutsche Unternehmen allerdings nicht ganz fallen lassen. "Wir verhandeln in den nächsten Tagen weiter mit den Banken", sagte Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra.
Die Franzosen sind auch bereit, "im begrenzten Rahmen" MobilCom finanziell zu stützen.
Der Handel mit den MobilCom-Aktien an der Frankfurter Börse wurde nach einem Kurssturz von mehr als 44 Prozent ausgesetzt.
Dubiose Finanztransfers
In dem Streit zwischen France Telecom und MobilCom geht es unter
anderem um Milliarden-Investitionen für den UMTS-Standard. Außerdem
warf das Pariser Unternehmen Schmid dubiose Finanztransfers zu
Gunsten seiner Ehefrau vor.
Spannungen bei deutscher MobilComZusammenarbeit mit Schmid nicht möglich
MobilCom habe das vor zwei Jahren geschlossene Abkommen wiederholt verletzt, hieß es in der France-Telecom-Erklärung. Eine Zusammenarbeit mit Firmenchef Gerhard Schmid sei nicht mehr möglich.
Schmid hatte zuvor durch Äußerungen in der Zeitschrift "Stern" Öl ins Feuer gegossen. Das Verhalten des Pariser Großaktionärs sei "eines großen Staatskonzerns nicht würdig", sagte Schmid. Die Franzosen spielten mit ihrer Drohung, MobilCom in die Pleite zu treiben, mit den Ängsten der Mitarbeiter. Außerdem würde eine Pleite der deutschen Firma auch dem Großaktionär schaden.
France Telecom hält einen Anteil von 28,5 Prozent an MobilCom.
Vergangenen Woche: Etappensieg für Schmid
France Telecom war am vergangenen Freitag bei einer Sitzung des
Aufsichtsrats mit dem Versuch gescheitert, Schmid an der
MobilCom-Spitze abzulösen.
MobilCom-Chef Schmid lehnt Rücktritt ab
