16.05.2002

GEWINNSPIEL

Bildquelle: www.zazie.at

Thermopapier, Ordner und Kopien

Während die Revolutionen der alten Zeit gern ihre Kinder fraßen, geben sich die modernen weitaus friedlicher.

Netzwerke übernehmen mehr und mehr die Aufgaben althergebrachter Hierarchien, Befehle werden durch Mehrweg-Kommunikation ersetzt, das alte Fressen und Gefressenwerden aber spielt sich nun auf einer metaphorischen Ebene, nämlich jener der Maschinen ab.

So wie das Modem den Akustikkoppler inhaliert hat, frisst eine Kombination aus Hard- und Software gerade das gute alte Fax. Kopierer und Scanner kommen auf der Speisekarte gleich danach.

Wunderliche Erlebnisse

Aus einer Unzahl wunderlicher Erlebnisse an der Schittstelle von Elektronik und Papier, die uns erreichten, hier eine erste Auswahl. Wir bitten um Verständnis, dass wir nur einen kleinen Teil der Zusendungen zumeist gekürzt veröffentlichen können.

Bitte senden Sie grundsätzlich keine Texte mit deutlich mehr als 750 Zeichen ein, die in etwa der gebräuchlichen Orthografie entsprechen sollten. Es fehlt einfach die Zeit, diese zu redigieren.

Drei Ordner und vier Kopien

Als seinerzeit das erste Faxkistl installiert wurde [Riesenkiste, Thermopapier, von zwei Technikern aufgestellt und installiert], ergingen aus der Geschäftsführung administrative Anweisungen.

Es gab drei Ordner [Kopien gesendeter Faxe, eingegangene Faxe - Originale auf Thermopapier, eingegangene Faxe - Kopien] und ein Fax-Buch, in dem die Daten wie Übertragungszeit, Kostenstelle, etc eingetragen wurden. Außerdem wurde jedes Fax vier Mal kopiert: für Ordner, Sachbearbeiter, Sekretariat und Geschäftsführung. [Gerhard Schneider]

Vom Outlook faxen

Eine Bank, mit kompletter IT-Infrastruktur [E-Mail, usw.] bekommt ein System, mit dem man direkt vom Computer aus faxen kann. Eine Mitarbeiterin stellte die Frage, ob sie direkt aus Outlook heraus faxen kann. Als das bejaht wurde, fragte sie, wo denn das Adressbuch der Mitarbeiter mit den internen Faxnummern zu finden sei, damit sie ihnen ihre E-Mails zufaxen könnte. [Markus Stevens]

Alte Zeiten, brutale Zeiten

Was den Charme des Faxgeräts wirklich ausmacht weiß aber nur derjenige, der zu seligen Monopolzeiten, als man Endgeräte der Post weder abschalten noch ausstecken, sondern nur chirurgisch abtrennen oder brutal herausreißen konnte, von einem auf 5-minütige Wahlwiederholung eingestellten Fax der ersten Stunde die ganze Nacht angerufen wurde. Dadurch habe ich erst erfahren, welches Potential an Gewalttätigkeit in mir steckt.. [Wilhelm Offenbeck]

Forward to Fax

Eine gar nicht so unbekannte Werbeagentur [sogar eine AG) ließ sich zu Anfang [so ca. vor 5 Jahren] alle E-Mails aufs Fax forwarden - zum günstigen Preis von zwei Units alter Währung pro Mail, weil der Mac selten online war und man so leichter den Chefs die News zeigen konnte - ohne sie extra ausdrucken zu müssen. [Thomas Ullrich]

Salzburg Stadt, 1994 oder 1995

Neun hungrige Studenten in einer WG [inkl. eines alten Faxgerätes] wollen sich telefonisch Pizzas etc. bestellen. Die Auswahl ist sehr groß, die Studenten unschlüssig, man bittet die Kellnerin, die Speisekarte zu faxen.

Nach ein paar Minuten kommt ein nicht lesbarer Zettel durch. 20 Minuten später nochmaliger Anruf im Lokal bezüglich der Speisekarte. Der Chef hebt ab und ist stinksauer, die Kellnerin verzweifelt, die vielseitige Speisekarte steckt komplett mit Hülle im Faxeinzug, das Fax ist kaputt. [Friedrich Timmer]

Faxe scannen, Scans faxen

Mangels Faxmodem an den meisten Arbeitsplätzen werden solche eingescannten Faxe bei Bedarf wieder ausgedruckt und zum Versand wieder in ein Fax gesteckt. Dieses Dokument wird dann vom Empfänger mit Anmerkungen versehen, zurückgefaxt und dann wieder eingescannt. [Peter Schmidt]

Die mit dem Fax flüstert

Einer unserer Geschäftspartner hatte damals schon ein Telefon mit einer automatischen Faxweiche, d. h. wenn am anderen Ende nicht abgehoben wurde, wurde man sofort mit dem Fax verbunden.

Jedes Mal, wenn unsere Sekretärin an dieses Unternehmen ein Fax sandte und das Gegenüber den Hörer abhob und sich über den Lautsprecher unseres Faxgerätes mit "Hallo!" meldete, hielt unsere Kollegin den Kopf ganz nahe an den Papiereinzug unseres Faxgerätes und ersuchte den anderen Teilnehmer, den Hörer zwecks Faxübermittlung aufzulegen. Sie dachte, wenn unser Fax einen Lautsprecher hat, müsste es auch ein Mikrofon haben. [Wolfgang Duchkowitsch]

Fortsetzung Freitagfrüh

Die Serie wird morgen Früh mit der Bekanntgabe des Gewinners und weiteren wunderlichen Erlebnissen fortgesetzt.