Tauschbörse KaZaA mit großen Plänen
Die Betreiber der Tauschbörse KaZaA, Sharman Networks, haben nun erstmals ihre Pläne offengelegt, wie Sie es schaffen wollen, Geld mit ihrem weit verbreiteten Peer-to-Peer [P2P] Netzwerk zu machen.
Im April war bekannt geworden, dass das US-Technologieunternehmen Brilliant Digital Entertainment mit einer eigenen Software die PCs der KaZaA-User für Network-Storage, Distributed Computing und Network-Services erschließen will.
Software in KaZaA versteckt
Brilliant Digital Entertainment hatte dazu seit Herbst 2001 still
und leise das "schlafende" Programm "SecureInstall" gemeinsam mit
der Musiktausch-Software KaZaA verteilt.
Distributed Computing mit KaZaAIm Mai ist Tag des "Erwachens"
Brilliant Digital erklärt nun, was die User am Tag des "Erwachens" der Software zu erwarten haben.
An diesem Tag im Mai [ein genaues Datum wird nicht verraten] aktiviert sich die Software, sobald sich der User mit dem KaZaA-Netzwerk verbindet. Danach wird der User aufgefordert, seine KaZaA-Version upzudaten. In diesem Update ist das Programm enthalten, das die Rechner mit dem Altnet-Netzwerk [das unabhängig von KaZaA agiert] verbinden soll.
Brilliant Digital betont jedoch, dass der User der Freigabe seines PC für das Netzwerk zustimmen muss.
Unternehmenssitz im Steuerparadies Vanuatu
Sharman Networks ist aus steuerlichen Gründen in Vanuatu
gemeldet, einer Südseeinsel, die sich selbst in Anzeigen als
"Steuerparadies im Südpazifik" beschreibt. Nach den
Nutzungsbedingungen ist der Gerichtsstand jedoch Australien, wo
ähnlich strikte Copyright-Gesetze wie in den USA bestehen.
KaZaA-Betreiber verraten erste FirmendetailsEin Schritt nach dem anderen
Zuerst will Altnet versuchen, den Nutzern Video- und Audioclips zu verkaufen. Die Verhandlungen mit Plattenlabels und Filmstudios laufen noch. Diese Files werden mit einem Kopierschutz, der Microsofts "Digital Rights Management Encryption"-Technologie verwendet, ausgestattet sein.
Lädt man einmal Inhalte von Altnet herunter, wird das automatisch als Zustimmung für die Bedingungen des Unternehmens gesehen.
Mit einer Art Belohnungssystem will Altnet die User dazu ermuntern, Bandbreite und Festplattenplatz [auf dem die aufwendige Werbung gespeichert werden soll] gegen Inhalte oder Punkte einzutauschen. Hat man eine bestimmte Anzahl an Bonuspunkten, kann man diese bei bestimmten E-Händlern einlösen.
Als nächsten [und vorläufig letzten] Schritt plant Altnet die User in die "Altnet Distributed Computing"-Plattform einzubinden, um ungenutzte Prozessorpower für verschiedene Projekte [von Firmen wie United Devices, Entropia und Parabon] auszulasten.
SETI@home
Das wohl berühmteste besipeil für Distributed Computing ist
SETI@home. Es wird gemeinsam mit einem Screensaver heruntergeladen
und installiert. Wenn sich die Computer im Screensaver-Mode
befinden, beginnt SETI@home zu arbeiten: Das Programm wählt sich in
das SETI-Projekt ein, um Daten vom Radio-Teleskop in Puerto Rico
herunterzuladen. Diese Daten werden nach Radiosignalen durchsucht,
die Analyse wird dann wieder zurückgesendet.
SETI@homeVerwunderung über Entrüstung der User
Die australischen Sharman Networks waren nach eigenen Angaben überrascht über die heftige Reaktion der KaZaA-Nutzer, nachdem bekannt geworden war, dass Altnet-Software im KaZaA-Client versteckt war.
Der Deal war mit KaZaA bereits ausgehandelt worden, als die File-Sharing-Software noch im Besitz des niederländischen Unternehmens KaZaA war, sagen Brilliant Digital and Sharman.
An Sharman Networks verkauft
Das niederländische Unternehmen KaZaA sah sich wegen des Urteils
eines niederländischen Gerichts im November 2001 gezwungen, seinen
File-Sharing-Dienst an das australische Unternehmen Sharman Networks
zu verkaufen. Das Gericht befand KaZaA für schuldig, Urheberrechte
von Künstlern zu verletzen, und verlangte, dass KaZaA Maßnahmen
treffen müsse, um die Urheberrechtsverletzungen zu unterbinden.
KaZaA wird verklagtPersönliche Daten bleiben geheim
KaZaA hat unterdessen doch auf die Befürchtungen der Konsumenten reagiert und gemeinsam mit seinen Partnern beschlossen, keinerlei persönliche Daten seiner User zu sammeln.
"Die User sind doch der Lebensnerv unseres Unternehmens", sagt Sharman-Networks-Chef Nikki Hemming. "Wir werden sicher nichts unternehmen, was die Beziehung zu ihnen verletzen könnte. Respekt vor der Privatsphäre und totale Offenlegung von Anwendungen von Drittherstellern in Kombination mit KaZaA-Software sind dabei oberste Priorität."
In der Zwischenzeit warten Datenschützer mit Spannung auf das Erwachen der Altnet-Software.
Datenschützer sind wachsam
"Solange der User über alles informiert wird und seine Zustimmung
erforderlich ist, ist alles in Ordnung", sagt Fred von Lohmann von
der Electronic Frontier Foundation. "Doch der Teufel versteckt sich
im Detail. Wir sind sehr gespannt, wie Brilliant Digital mit dieser
Verantwortung umgehen wird."
EFF"Betrieb eines P2P-Programms ist illegal"
Sharman Networks hat nun in einem offenen Brief an den Kongress angeregt: "Wir glauben, dass es Zeit für den Kongress ist, einzuschreiten und die Prozessflut der Musik- und Filmindustrie mittels neuer Gesetze zu stoppen. Man sollte den freien Zugang zu Inhalten garantieren und ein System entwickeln, um alle Industriezweige hinter der P2P-Software zufrieden zu stellen."
Die "Recording Industry Association of America" [RIAA] zeigt sich unbeeindruckt von dem Vorschlag. "Es besteht kein Zweifel, dass der Betrieb eines Peer-to-Peer-Programms, das dasselbe Service wie Napster bietet, illegal und unzulässig ist", sagt Matt Oppenheim von der RIAA.
"Wenn ich eine Bank ausraube und deswegen noch nicht im Gefängnis sitze, heißt das noch lange nicht, dass ich nichts Falsches getan habe. Und nur weil Sharman Networks bis jetzt noch nicht verklagt wurden, sollten sie sich nicht im Recht sehen."
