Hedy Lamarr als "Lady Bluetooth"
Die von der österreichischen Schauspielerin Hedy Lamarr in den 40er Jahren miterfundene Technik des synchronen "Channel Hopping" kommt in vielen digitalen Funktechnologien wie etwa Bluetooth und WLAN zur Anwendung. Der erste "Hedy Lamarr Preis" für österreichische Nachrichtentechnikerinnen wurde verliehen.
Hochoffiziell, in den Räumlichkeiten des Bundeskanzleramts in Wien, findet die Verleihung des ersten "Hedy Lamarr Preises" für "besondere Leistungen von Frauen im Bereich der Nachrichtentechnik" statt.
Die Preisträgerinnen
Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und mobilkom-Chef Boris Nemsic überreichten den Hauptpreis in Höhe von 5.000 Euro an Ulla Birnbacher vom Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation an der Universität Graz. Den Hedy Lamarr Nachwuchsförderpreis über 2.000 Euro erhielt Simone Winkler vom Institut für Nachrichtentechnik an der Universität Linz.
Benannt ist der Preis nach einer Wienerin, die vor ihrer Hollwyood-Karriere Hedwig Kiesler hieß. Ein paar Stationen ihres Lebens: Reinhardt-Seminar im Berlin der 20er Jahre, Nacktszenen in "Ekstase" [1933], die um die Welt gingen, auch wenn der Film in den Lichtspieltheatern der USA nur zensuriert gezeigt wurde. Dann: eine Karriere bei beim US-Filmstudio Metro Goldwyn Mayer.
Wie das Klavier ...
Zusammen mit ihrem Nachbarn in Hollywood, dem Avantgarde-Komponisten George Antheil, der unter anderem ein "mechanisches Ballett" für 16 mechanische Klaviere geschrieben hatte, entwickelte Lamarr freilich etwas völlig anderes.
Der frisch von einem Waffenproduzenten geschiedene Hollywood-Star und der Komponist entwickelten eine 88-Kanal-Funkfernsteuerung für Torpedos, die Steuerimpulse werden dabei durch Frequenzwechsel ausgelöst.
... in den Torpedo kommt
Dementsprechend hieß das Konzept "Frequency Hopping". Die Frequenz-Synchronisation zwischen Sende- und Empfangsteil erfolgte wie bei mechanischen Klavieren über Lochstreifen. Das Torpedo-Kommunikationssystem war dafür ausgelegt, von einem in großer Höhe fliegenden Aufklärungsflugzeug ferngesteuert zu werden.
"Secret Communication System"
Das Besondere daran war, dass dieses System nur schwer vom Feind gestört werden konnte, da die Kanäle so rasch wechselten.
Wie so vielen Erfindungen im Bereich der Nachrichtentechnik des 20. Jahrhunderts erging es auch dieser Fernsteuerung für Torpedos. Sie wurde zu etwas anderem verwendet als zu dem Zweck, für den sie erfunden worden war.
1942 wurde Antheil und Lamarr dafür ein US-Patent verliehen. Die praktische Umsetzung scheiterte zu Teilen daran, dass die US-Militärs gegenüber einem "Secret Communication System" einer Schauspielerin und eines Komponisten generell Vorbehalte hatten.
"Frequency Hopping"
Die Technik des "Frequency Hopping" - automatisierte, synchrone Frequenzwechsel während des Funkverkehrs aller Beteiligten nach einem für Dritte möglichst schwer nachvollziehbaren Muster - ging erst nach dem Krieg in die militärische Kommunikation ein.
Synchronisiert wurden die Hops nun elektronisch, wenigstens hier hatte der Lochstreifen bereits in den 50er Jahren ausgedient.
Schnelle Folgen von synchronen Wechseln des gesamten eigenen Sprechfunkverkehrs auf immer neue Frequenzen waren ein wirksames Mittel, um das Abhören der operativen Funkkommunikation durch den Feind zu erschweren. Während der Kuba-Krise in den 60er Jahren wurde die Technik bereits von den Sowjets wie der US-Navy eingesetzt, beide Seiten setzten als Gegenwaffe breitbandige Störsender ein.
Für den Zivilgebrauch lassen sich schnelle Kanalwechsel freilich dazu nutzen, um schlicht mehr Daten gleichzeitig zu übertragen. Im WLAN-Bereich sind derartige Techniken zum "Spreizen" von Frequenzbändern [frequency hopping spread spectrum systems] bereits im Einsatz.
"Spread Spectrum Systems"
Die parallele Benutzung von mehreren Kanälen verlangt natürlich eine höhere Bandbreite, ob es sich um analoge Sprachtelefonie oder digitalisierten Datenverkehr handelt.
In diesem Bereich nennt sich das Lamarrsche Verfahren heute "Frequency-Hopping Code Division Multiple Access" [FH-CDMA]. Man kann damit, so wie die Militärs, durch Aufsplitterung des Datentransfers auf eine Anzahl von Subkanälen rund um eine Basisfrequenz mehr Sicherheit gewinnen.
Bluetooth
Der Nahbereichsfunk Bluetooth funktioniert überhaupt nach dem Hopping-Prinzip. Zum schnellen Datenaustausch werden die Daten parallel über verschiedene Frequenzkanäle übertragen, gestörte oder von anderen Geräten benutzte Frequenzen werden dabei systematisch übersprungen.
Insgesamt stehen bis zu 79 Kanäle zur Verfügung, während das Patent von Antheil und Lamarr 88 Kanäle vorsah - so viele wie die Tasten eines Klaviers.
Wie vielen Erfindern im Bereich Nachrichtentechnik erging es auch Antheil und Lamarr. Ihr Patent wurde erst nach seinem Auslaufen von den Militärs benutzt, Geld dafür sah man nie.
