Bildquelle: SF

Mobilfunk-Luftschiff statt Sendemasten

X-Station
01.07.2006

Eine einzige, an einem 60 Meter langen Zeppelin montierte Mobilfunkantenne in 21.000 Metern Höhe könnte ein Land in der Größe der Schweiz versorgen.

Schweizer Forscher haben eine fliegende Mobilfunkstation entwickelt, die herkömmliche Sendemasten am Boden komplett ersetzen könnte.

Die so genannte X-Station besteht aus einem 60 Meter langen, mit Helium gefüllten Zeppelin, der in 21.000 Meter Höhe stationiert werden soll, berichtet das Schweizer Fernsehen [SF].

Handystrahlung minimiert

Die Handystrahlung würde durch das System tausendfach verringert, heißt es von Seiten der Entwickler.

Über eine X-Station sollen Telefonie, Internet, digitales Radio und Fernsehen, aber auch Überwachung per Live-Kamera möglich sein. In einem Jahr soll der erste Prototyp in luftiger Höhe für Tests bereitstehen.

Propeller halten Schiff auf Kurs

Die Position überwacht ein GPS-Autopilot. Damit die X-Station ihren Standort auch trotz der starken Winde halten kann, ist sie mit zwei großen Propellern ausgestattet.

An den Zeppelin ist ein unbemanntes Kleinflugzeug gekoppelt, in dem die gesamte Elektronik - von der Handyantenne bis zu Sendern von digitalem Radio und TV - untergebracht ist. Die Energieversorgung soll über Solarpanele erfolgen.

20 X-Stations für Europa

Die Entwickler schätzen die Kosten für eine X-Station auf 30 bis 40 Millionen Franken [19 bis 25,5 Millionen Euro], jedoch reiche eine Station aus, um die gesamte Schweiz zu versorgen. Für die Abdeckung Europas wären 20 X-Stations nötig.

Mit dem Projekt sind zurzeit mehr als 50 Wissenschaftler von den ETHs Zürich und Lausanne, der Universität Neuenburg sowie der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt [EMPA] beschäftigt. Mit an Bord ist auch der Technologiekonzern RUAG Aerospace.

Die Schweizer sind nicht die Ersten, die diesen Ansatz verfolgen.

Das US-Militär experimentiert seit langem mit Zeppelinen, die etwa zur Überwachung von Landesgrenzen genutzt werden sollen. Die NASA arbeitet unterdessen an Luftschiffen als Stratosphären-Satelliten für die Wetterbeobachtung in großen Höhen.

Und auch das kanadische Unternehmen 21st Century Airships hat angekündigt, erste Luftschiffe für Telekommunikationszwecke in die Luft bringen zu wollen.

(pte.at)