Musikindustrie behindert Online-Musik

Vorwurf
08.06.2006

Wegen "zuviel Interaktivität" hat der Internet-Provider Tiscali auf Druck der Musikindustrie sein Musikservice Jukebox geschlossen.

Der Schließung vorausgegangen ist ein Disput mit der International Federation of the Phonographic Industry [IFPI], der Juke Box zuviel Service für den Nutzer enthielt.

Künstler-Suche ist interaktiv

Streitpunkt ist ein Eingabefeld, mit dem die Nutzer Musik auch nach Künstlernamen suchen können – das sei allerdings nicht von der gekauften Lizenz gedeckt, so die IFPI. Diese decke nur "nicht-interaktive Rechte" an den Songs ab.

Der Service würde aber einen hohen Grad an Interaktivität bieten, der diese Rechte auf verschiedene Arten verletzten würde – zum Beispiel einzelne Songs auf Wunsch [on Demand] zu streamen, so die IFPI.

Tiscalis Jukebox war ein legales Peer-to-Peer-Service, bei dem Songs zwar angehört aber nicht herunter geladen oder kopiert werden dürfen. Angeboten wurde es in Italien und Großbritannien.

Kooperation "fast unmöglich"

Entsprechend bestand die IFPI darauf, dass das Suchfeld entfernt wird, Tiscali machte aber kurzen Prozess und drehte den Service gleich ganz ab.

Es sei fast unmöglich mit der europäischen Musikindustrie zusammen zu arbeiten, so Tiscali in einer Stellungnahme. Vergleichbare Angebote in den USA würden solche Suchmöglichkeiten durchaus anbieten, die europäischen Musikfans würden hingegen diskriminiert.

Industrie "kurzsichtig"

Tiscali bezeichnete die Musikindustrie als kurzsichtig, weil sie keinen Versuch mache zu verstehen, was Musikfans, die ihre Musik über das Netz beziehen, brauchen oder wollen.

Gegenüber der BBC meinte Tiscali UK, dass der Service funktioniert habe – seit dem Start von Juke Box sei 30 Prozent mehr Musik im Tiscali Music Club verkauft worden.

Laut Tiscali müssen "interaktive Angebote" zu Online-Musik in Europa mit jedem Label einzeln abgeklärt werden.

(BBC)