Telekom Austria wird umgekrempelt
Unter dem neuen Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic sollen in Zukunft die Bereiche Mobilfunk und Festnetz stärker kooperieren und werden dazu in eine neue Holding eingebracht. Entsprechende Produktkombinationen in Österreich, Bulgarien und Kroatien sollen die neue Strategie unterstreichen.
Am Freitag stellte sich das neue TA-Management - Vorstandsvorsitzender Nemsic und dessen Stellvertreter Rudolf Fischer - der Presse und dabei gleich auch ihre neue Holdingstruktur vor.
Konkret ist die Gründung einer neuen, eigenständigen Festnetz AG geplant, die gemeinsam mit dem Mobilfunkbereich mobilkom austria von einer "schlanken Holding" koordiniert werden soll.
Gleichberechtigte Partnerschaft
Die beiden Unternehmen sollen "gleichberechtigt" sein und "partnerschaftlich agieren", so Fischer, der auf einen entsprechend positiven Beschluss des Aufsichtsrats am 12. Juni hofft.
Rechtlich umgesetzt werden soll die neue Struktur dann von der Hauptversammlung im Jahr 2007 - rückwirkend per Jänner 2007.
Die Holding werde als Schnittstelle zum Kapitalmarkt das Dach bilden und die TA-Gruppe nach außen vertreten. Dort sollen auch strategische Entscheidungen zusammenlaufen, so Fischer weiter.
Nemsic hatte am 24. Mai als TA-Vorstandsvorsitzender die Nachfolge von Heinz Sundt angetreten.
Gemeinsame Produktentwicklung
Festnetz und Mobilfunk sollen "eng abgestimmt" künftig gemeinsame Produkte entwickeln und dabei nicht näher bezifferte Kosten- und Synergieeffekte vor allem bei Technik und Marketing liefern.
Entsprechende Personalanpassungen seien nicht geplant, so Nemsic. Im kommenden Aufsichtsrat sollen die Konzernfunktionen noch genau definiert werden.
Nemsic, Fischer und Colombo
Die Holding wird von Nemsic, Fischer und Finanzvorstand Stefano Colombo geleitet und eine zweistellige Mitarbeiterzahl haben. Vorstände der mobilkom austria bleiben wie bisher Nemsic und seine Vorstandskollegen Hannes Ametsreiter und Alfred Gattringer.
In der neuen Festnetz AG wird Fischer als Chef fungieren, ihm soll nach dem "Vieraugenprinzip" ein weiterer, neuer Vorstand zur Seite gestellt werden. Dieser könnte Vice President Finance Gernot Schieszler werden, der bessere Karten habe als etwa Festnetz-Produkt- und Technologiemanager Helmut Leopold, hieß es in Unternehmenskreisen.
Südosteuropa bleibt Kernziel
Unverändert unter dem neuen TA-Vorstand bleibt die geplante Südosteuropa-Expansion. In Serbien erwartet Nemsic ab Ende Juni ein Auktionsverfahren mit den neun Bietern.
"Eine bunte Konkurrenzsituation", so Nemsic. Die mobilkom glaube aber weiterhin, dass sie den serbischen Markt am besten kenne und daher "das beste Angebot" legen könne.
Neben der mobilkom sind an der Übernahme der Mobi63, deren Mindestpreis inklusive Lizenz mit 800 Mio. Euro festgesetzt wurde, auch Tele2, Telia Sonera, France Telecom, Orascom Telekom, Deutsche Telekom, Emirate Telecommunications Corporation, OJSI und Telenor interessiert.
Erste Kombi-Angebote
In Bosnien ist die TA an der Übernahme der Telekom Srpske interessiert. In Kroatien und Bulgarien, wo die TA bereits tätig ist, hat die Gruppe eine Festnetzlizenz und plant, entsprechende Festnetz- und Internet-Produkte für Geschäftskunden auf den Markt zu bringen. In Slowenien sei für si.mobil die Zeit dafür noch nicht reif, so Nemsic.
Den Startschuss für die künftig stärkere Kooperation zwischen Mobilfunk und Festnetz gaben zwei neue Kombi-Produkte für fixes und mobiles Breitband mit einem "Kampfpreis" [Nemsic] von 29,90 Euro monatlich sowie - nur in Wien - für Breitband mit bis zu drei Handys um 39,90 Euro monatlich.
Die Angebote gelten bis Ende August und im Wesentlichen nur für Neukunden und haben eine Mindestvertragsdauer von 18 bzw. 24 Monaten.
(APA)
