17.02.2002

STANDORTE

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Bürgerinitiativen gegen UMTS

Die neue Mobilfunktechnologie UMTS findet in der Phase des Netzaufbaus nicht nur Bewunderer.

Den Netzanbietern steht inzwischen ein Heer von Mobilfunk-Gegnern gegenüber. Während die Industrie fieberhaft daran arbeitet, das Netz auszubauen, funken immer mehr Bürgerinitiativen dazwischen. Sie fürchten Elektrosmog-Schäden wie Schlafstörungen, aber auch Hirnschäden oder Leukämie und versuchen deshalb, den Aufbau der Sendemasten zu stoppen.

Milliarden Euro für UMTS-Lizenzen

Die dritte Mobilfunkgeneration kommt, das ist sicher: Die UMTS-Anbieter haben für die Lizenzen allein in Deutschland rund 50 Milliarden Euro bezahlt, das Netzwerk soll bis 2003 auf etwa 100.000 Sendemasten erweitert werden.

Keine endgültigen Erkenntnisse zu Gefahren

Doch niemand weiß, welche Folgen das Funkgewitter hat. Industrie und Mobilfunkgegner legen immer wieder Studien vor, die Gesundheitsgefahren widerlegen beziehungsweise bestätigen sollen. Einen echten wissenschaftlichen Beweis gibt es bisher nicht.

Keine juristischen Wege

In nur fünf Jahren hat sich die Organisation zur Basisstation des Mobilfunkwiderstands in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt.

Die wenigsten Sendemasten würden auf dem Zeit raubenden juristischen Weg verhindert, sondern durch Aufklärung. "Viele Hausbesitzer, die ihr Dach als Antennenstellplatz vermieten, machen ganz schnell einen Rückzieher, wenn sie von den Gefahren, die von den Sendemasten ausgehen, erfahren - auch Kirchen und Banken", sagt Zwerenz.

Zeitplan wird eng

Zwischen IZMF und Bürgerwelle herrscht Funkstille. Der Protestgruppe wird "Panikmache" vorgeworfen. "Die Bürgerwelle hat uns zugesetzt, aber nicht zersetzt. Mit dem Aufbau der Sendemasten liegen wir im Plan, wenn auch eng", schränkt von Fallois ein.

Weiterer Ärger droht. Möglicherweise müssen die Netzbetreiber bald mehr Sendemasten aufstellen als ihnen selbst lieb ist. Die Bundesregierung plant trotz bestehender gesetzlicher Grenzwerte die Einführung eines Öko-Siegels für strahlungsarme Handys.

Die Mobilfunkbranche BITKOM wittert eine "Senkung der Grenzwerte durch die Hintertür".

VIAG-Interkom-Chef ist sauer

Viag Interkom-Chef Rudolf Gröger attackiert die deutsche Bundesregierung im Streit um die Gesundheitsgefahr durch Mobilfunk. "Wir fühlen uns im Stich gelassen", sagte Gröger der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

35 Prozent haben Angst vor Elektrosmog

Die Telekom-Konzerne hätten dem Staat Milliarden an Euro für die UMTS-Lizenzen bezahlt, nun behinderten Politiker vielerorts den Aufbau der dazu notwendigen Netze. So habe die Stadt München das Aufstellen von Sendemasten auf öffentlichen Gebäuden verboten.

Bis Ende 2003 müssten jedoch 25 Prozent der Bevölkerung erreicht werden - sonst müssten die Anbieter ihre Lizenz entschädigungslos zurückgeben. Gröger fordert nun eine Verlängerung dieser Frist oder zumindest ein klärendes Wort der Bundesregierung. "Dann sollen sich die Politiker hinstellen und sagen: Wir wollen UMTS nicht haben - mit allen Konsequenzen."

Wie es bereits jetzt um die Sorgen in Sachen Mobilfunk steht, zeigt eine Umfrage des Bundesamtes für Strahlenschutz in Salzgitter, die in den kommenden Tagen veröffentlicht wird. Ergebnis: 35 Prozent der Jugendlichen und Erwachsenen haben Angst vor Elektrosmog-Schäden.