USA: Angst vor chinesischen PCs
900 neu gelieferte chinesische Lenovo-PCs müssen auf politischen Druck aus dem Sicherheitsnetz des US-Außenministeriums entfernt werden: Republikaner wie Demokraten befürchten Spionage durch in die Hardware eingebaute Hintertüren.
Chinesen im geheimen SIPRnet
Das US-Außenministerium wird die chinesischen PCs, die erst kurze Zeit ihren Dienst im Hochsicherheitsnetz des State Department versehen, wieder abhängen.
Dieses SIPRnet [Secret Internet Protocol Router Network] verbindet Rechner in Washington und anderen Städten mit US-Botschaften rund um die Welt.
Die Rechner müssen allein deshalb vom Netz, weil der Name des chinesischen Erzeugers Lenovo auf ihnen steht. An diese Firma hatte IBM seine PC-Sparte bekanntlich vor einem Jahr verkauft.
Hardware und die Hintertür
Seit März übt nun eine Untersuchungskommission des US-Repräsentantenhauses Druck auf das State Departement aus, den Kauf von insgesamt 15.000 Lenovo-PCs rückgängig zu machen. Es besteht die Furcht, die Rechner könnten Hintertüren in der Hardware enthalten.
"Es ist kein Geheimnis, dass die USA das Hauptangriffsziel chinesischer Geheimdienste sind", sagte der einflussreiche Abgeordnete Frank Wolf [Republikaner], der auch im parlamentarischen Kontrollausschuss für das Außenministerium sitzt.
Dort überdenke man die bisherige Einkaufsstrategie, sagte Wolf, und werde in Zukunft bei den Ausschreibungen mehr Gewicht auf die Herkunft des Lieferanten legen als bisher.
Herkunft North Carolina
Auch die Demokraten stimmten zu, dass der Betrieb von Lenovo-PCs im Außenministerium generell "beunruhigend" sei und ein potenzielles Sicherheitsrisko darstelle.
Dass die PCs wie alle anderen davor in IBMs Fabriken in Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina gefertigt wurden und ohne weiteres auf ihre Sicherheit überprüft werden können, fällt angesichts der unter US-Politikern ausgebrochenen Paranoia offenbar nicht ins Gewicht.
Franzosen in den Bell Labs
Unter diesen Umständen scheint es immer unwahrscheinlicher, dass der Verkauf von Lucent und dem französischen Alcatel wie geplant über die Bühne gehen wird. Im US-Kongress werden die Stimmen lauter, die eine Absage des Mergers fordern.
Zum einen führt Lucent für die US-Regierung auch strategisch wichtige Aufträge durch, zum anderen plant Alcatel wiederum, seine 9,5 Prozent am französischen Rüstungskonzern Thales - Staatsanteil 30 Prozent - noch aufzustocken.
EADS, Thales, Alcatel
Der kolportierte Einstieg des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS [Eurofighter] bei Thales dürfte für die Fusion auch nicht eben förderlich sein. An den Engagements beider Firmen im nationalen militärisch-elektronischen Komplex war ein geplanter Merger von Lucent und Alcatel bereits im Jahr 2001 gescheitert.
Israelis im Behördennetz
Nicht sehr viel rationaler als im Falle Lenovo-PCs ging es bei der vor kurzem geplatzten Übernahme der US-Security-Firma Sourcefire zu.
Die israelische Firma Check Point Software, die ebenfalls im Sicherheitsbereich tätig ist, sah sich vor der Übernahme mit so vielen Auflagen der Behörden konfrontiert, dass man schließlich dankend verzichtete.
FBI und Verteidigungsministerium hatten Bedenken geäußert, obwohl die US-Börden insgesamt sicherlich der größte Abnehmer von Check-Point-Firewalls weltweit sind und ein Gutteil der Sourcefire-Software ohnehin Open Source, also frei im Netz erhältlich, ist.
Telekom-Überwachung
Das FBI ist in puncto Zusammenarbeit mit israelischen Security-Firmen allerdings ein gebranntes Kind. Mit Dumpingpreisen für "monitoring centers" zur Überwachung des Telekom-Verkehrs [wer mit wem wann wo telefoniert, plus echtes Abhören] hatte die israelische Comverse Infosys während der 90er Jahre den US-Markt aufgerollt.
Als Bestbieter mit einem unbestritten hocheffizient arbeitenden Produkt führte man für das FBI bald einen Großteil aller Überwachungsaufträge für Telekom-Netze in den USA durch - selbst unüberwacht vom FBI. Am Ende standen Verhaftungen von mehreren Dutzend Comverse-Infosys-Mitarbeitern wegen Kreditkartenbetrugs, Erpressung und anderer Delikte, die Firma wurde sodann in Verint umbenannt und von der Mutter Comverse eilig verkauft.
Politischer Widerstand
Ganz deutliche Zeichen, dass die Politik bei wirtschaftlichen Entscheidungen in den USA zunehmend heftig interveniert, zeigen die Fälle Dubai Ports World und CNOOC.
Der Hafenbetreiber aus dem Emirat musste nach der Übernahme des britischen Logistikers P&O die miterworbenen sechs US-Häfen an der Ostküste zum eiligen Abverkauf ausschreiben. Mit der chinesischen Erdölfirma CNOOC hatte die Wende 2005 begonnen. Die Chinesen zogen ihr Bestgebot für die US-Ölfirma Unocal auf Grund des anhaltenden politischen Widerstands in den USA zurück.
(futurezone | gcn.com | afp)
