Wie es um das digitale Europa steht
EU-Kommissar Erkki Liikanen hat heute den "eEurope Benchmarking-Bericht" der EU-Kommission vorgestellt.
Die EU fordert in dem Bericht ein abgestimmtes Vorgehen zur Beseitigung der großen Unterschiede bei der Internet-Verbreitung und des digitalen Gefälles, dringende Maßnahmen gegen die Hemmnisse für den elektronischen Geschäftsverkehr, die Einbeziehung des Internets in die Lernprozesse, die Einrichtung des Sonderstabs für Computer- und Netzsicherheit, den Ausbau der elektronischen Behördendienste sowie die vollständige Einbeziehung der Beitrittsländer in den "eEurope"-Prozess.
Nur eine Woche nach den Meinungsforschern von Spectra hat Anfang Februar der Austrian Internet Monitor [AIM] neue Zahlen zur Internet-Nutzung in Österreich vorgelegt. Die Daten des AIM "übertreffen" dabei die der Konkurrenz auf fast allen Gebieten. Im Jahr 2001 hatten laut AIM mit 53 Prozent erstmals mehr als die Hälfte aller Österreicher über 14 Jahre einen Zugang zum Internet.
Die Internet-Nutzung in ÖsterreichWachstum verlangsamt sich
In europäischen Privathaushalten, Schulen und Unternehmen finden sich immer mehr Internet-Zugänge, das Wachstum hat sich in der letzten Zeit jedoch abgeschwächt.
Der Grund für die jüngste Wachstumsabschwächung kann nach dem Bericht darin liegen, dass Länder mit hoher Internet-Verbreitung eine Sättigung erreichen, zumal die Anzahl der in den Haushalten vorhandenen PCs eine "natürliche Begrenzung" darstellt, solange es keine Zugänge über Fernseh- und Mobilfunkgeräte in relevanten Dimensionen gibt.
Deshalb seien Anstrengungen erforderlich, um einerseits die Internet-Nutzung in den Ländern zu erhöhen, die deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegen, und andererseits die Entwicklung alternativer Zugangssysteme voranzutreiben, betonte die EU-Kommission.
Nord-Süd-Gefälle
Im März 2000 hatten 18 Prozent der europäischen Haushalte einen Internet-Anschluss, im Oktober 2000 bereits 28 Prozent, im Juni 2001 36 Prozent und im Dezember 2001 bereits 38 Prozent, geht aus dem Bericht hervor. Es gebe jedoch beträchtliche Unterschiede bei der Verbreitung, die von 60 Prozent [Skandinavien, Niederlande] bis zu lediglich zehn Prozent [Griechenland] reicht, sodass ein Nord-Süd-Gefälle entsteht.
EU-Fürsorge für Breitband
Breitbandanschlüsse setzen sich laut dem Bericht noch immer nur langsam durch, da sie im Schnitt zu teuer und auf die zwei Zugangssysteme ADSL und Fernsehkabel beschränkt sind.
Bei Breitbandzugängen liegt die EU demnach mit sechs Prozent weit hinter den weltweit führenden Ländern wie Korea, Kanada und USA zurück.
Die Möglichkeit der Steigerung der Breitbandzugänge werde einer der Hauptpunkte auf dem informellen Treffen der für Telekommunikation zuständigen Minister in Vitoria und auf der Tagung des Europäischen Rates in Barcelona im März 2002 sein, betonte Liikanen.
Österreich bei Breitband im MittelfeldE-Commerce mit Hemmnissen
Der elektronische Handel hat in Europa den Durchbruch noch nicht geschafft. Der Verkauf von Waren und Dienstleistungen über das Internet habe sich in der Europäischen Union "sehr viel langsamer entwickelt als erwartet" und bleibe weiter fest in der Hand traditioneller Handelsunternehmen, heißt es in dem Bericht.
Es sei deshalb dringend notwendig, die Hemmnisse für E-Commerce in Europa zu untersuchen, mahnten die Brüsseler Experten.
Nur vier Prozent der europäischen Internet-Nutzer bezeichnen sich selbst als häufige Online-Einkäufer, wenngleich der Bericht einen unerwarteten Anstieg des Direkthandels zwischen Personen aufzeigt.
eBay weiter auf Wachstumskurs
