US-Musikindustrie gegen Satellitenradio

17.05.2006

Die US-Musikindustrie hat ein neues Opfer auserkoren und gegen XM Satellite Radio Klage eingereicht. Dessen mobiles Gerät Inno kann Musik aufzeichnen und nach Titel und Künstler ordnen. Pro Song wollen die Labels nun 150.000 Dollar.

Wurden früher für das Aufzeichnen von Musiktiteln aus dem Radio noch ein Kassettenrecorder und ein schneller Finger für die Record- und Stopp-Taste benötigt, erleichtert die digitale Technik nun auch diesen Vorgang.

Der US-Satellitenradioanbieter hat unter dem Slogan "Hear it, click it, save it" für 400 US-Dollar vor kurzem ein Gerät namens Inno auf den Markt gebracht, das bis zu 50 Stunden Musik aufzeichnen und gleich nach Künstler bzw. Songname archivieren kann.

150.000 Dollar pro gespeichterten Song

Das Gerät ist der Musikindustrie allerdings ein Dorn im Auge. Für jeden auf so einem Gerät aufgenommenen Song verlangen die US-Plattenlabels nun 150.000 Dollar Entschädigung. XM Satellite spielt laut eigenen Angaben jeden Monat 160.000 verschiedene Songs.

In mittlerweile 19 Ländern klagt die Musikindustrie regelmäßig unrechtmäßige Anbieter von Musik im Internet.

Druckmittel für Verhandlungen

XM Satellite wehrt sich naturgemäß gegen die Anschuldigungen und sieht in der Klage vor allem ein Druckmittel der Plattenlabels für die laufenden Verhandlungen.

Sollte die Klage allerdings betätigt werden, würde das nicht nur für den Anbieter höhere Kosten bedeuten - auch die Konsumenten müssten wahrscheinlich einen Teil davon tragen.

Seit Jahrzehnten üblich

Die Geräte seien legal und ermöglichten den Nutzern, Radio zu hören und aufzuzeichnen, so wie es das Gesetz seit Jahrzehnten erlaube, so XM Satellite in einer Stellungnahme.

Die Plattenlabels versuchten Innovationen zu verhindern sowie die Möglichkeiten und Rechte, Musik für den persönlichen Gebrauch aufzuzeichnen, für Konsumenten zu limitieren.

XM Satellite hat sich bisher immer dagegen gewehrt, ähnlich wie andere Download-Services für die angebotene Musik hohe Lizenzgebühren an die Musikindustrie zu zahlen. Konkurrent Sirius Satellite Radio führt für seine Angebote allerdings bereits Gebühren ab.

RIAA sieht keinen Unterschied zu iTunes

Laut XM Satellite ist Inno nichts anderes als ein moderner Recorder, mit dem Kunden Programme für den eigenen Gebrauch legal aufzeichnen können. Zudem könnten die auf dem Gerät gespeicherten Inhalte nicht kopiert werden und seien nur nutzbar, solange der Kunde sein Abo bezahle.

Mitch Bainwol, Chef der US-Industrievertretung RIAA [Recording Industry Association of America], meint jedoch, dass sich Inno von anderen Musikplayern wie dem iPod und den Bezahl-Services dazu kaum unterscheide. Yahoo, Rhapsody, iTunes und Napster würden alle Lizenzen zahlen, so Bainwol. Es gebe keinen Grund, warum XM das nicht tun sollte.

Für US-Konsumentenschützer ist die Klage allerdings auch ein Angriff auf das Recht der Konsumenten, Musik für den eigenen Gebrauch aufzuzeichnen.

(Reuters)