Ein Kodex gegen Mobil-Abzockerei
Um Gaunereien bei kostenpflichtigen Handy-Diensten zu verhindern, legt sich die Assoziation mobiler Marketer in Österreich strenge Verhaltensregeln auf. Vor allem die Abmeldemöglichkeit von abonnierten Services soll für den Konsumenten stark vereinfacht und normiert werden.
Die Vermarkter mobiler Informations- und Unterhaltungsservices in Österreich sind dabei, sich einen Verhaltenskodex aufzuerlegen.
Dieses fast fertige Regelwerk für Anbieter mobiler Dienste ist nicht nur umfangreich, sondern auch streng in seinen Auflagen.
"Schlaue Köpfe"
Der wachsende Markt für mobile Dienste ziehe zunehmend "schlaue Köpfe mit viel krimineller Energie" an, sagt Roland Tauchner, Vorsitzender des österreichischen Zweigs der Mobile Marketing Assocation. Wie die über den Jahreswechsel weltweit gestiegene Zahl der Fälle des Missbrauchs etwa von kostenpflichtigen SMS-Diensten zeige, sei "eine vorausschauende Beschränkung zwingend notwendig".
Das Handy sei nun einmal ein "extrem sensibles Medium", ein paar wenige Spammer könnten da schon genügen, um einen Markt nachhaltig zu schädigen, der momentan um 20 bis 25 Prozent pro Jahr wachse, so Tauchner weiter.
Je mehr Gateways ...
Je mehr Gateways von und zu Mobilfunkdiensten in Betrieb gingen, desto wahrscheinlicher werde es, dass jemand versuchen könnte, z. B. durch Missbrauch von kostenpflichtigen SMS-Diensten [Mobile Terminated SMS], die mit bis zu zehn Euro/SMS vergebührt sind, viel schnelles Geld zu machen.
... desto mehr "Heuschrecken"
Waren es anfangs nur die Mobilfunkbetreiber selbst, die SMS-Gateways unterhielten, so sind in Österreich neben drei großen Anbietern mittlerweile geschätzte tausend SMS-Sub-Gateways ganz unterschiedlicher Unternehmen in Betrieb, die in irgendeiner Form SMS-Services anbieten. Die Mobilfunk-Gateways wiederum sind nicht an staatliche Grenzen gebunden.
Dass der Mobile-Entertainment-Markt hier zu Lande 2005 zwischen 45 und 50 Millionen Euro umgesetzt habe sei zwar sehr schön, aber auch geeignet, "wandernde Heuschreckenschwärme" anzuziehen, sagt Roland Tauchner. Deshalb gelte es nun, die Netze unbedingt sauber zu halten, um den Fortgang guter Geschäfte nicht zu gefährden.
Ein Fall aus österreich
Einzelne Betrugsfälle mit kostenpflichtigen Mehrwert-SMS, die an ahnungslose Handy-Kunden geschickt und verrechnet werden hat es in Österreich bereits gegeben.
Einfach abbestellen
Es sind freilich nicht nur eindeutig kriminelle Abkassierer, die bei Mobil-Vermarktern für Kopfzerbrechen sorgen, auch die Grauzonen wie unklare Geschäftsbedingungen sind ein Problem.
Eine Kernfrage sei, sagt Roland Fleischhacker, ebenfalls im Vorstand der Mobil-Marketer, "wie kommt der Kunde weg vom Dienst?". Ein einmal gebuchter Service müsse für "den Konsumenten auch einfach wieder abzustellen sein" - genau das werde den Benutzern von manchen Anbietern "derzeit noch nicht wirklich leicht gemacht", so Fleischhacker weiter.
Unklare AGBs
Simsen.de versprach auf der Homepage "100 SMS Gratis". Wer dieses Angebot nutzen wollte, bekam bald darauf eine Zahlungsaufforderung über 84 Euro für ein Jahresabo von monatlich 100 SMS. Wenig später folgten dann auch die Mahnungen und Inkassodrohungen.
Erst nachdem sich zahlreiche Konsumenten in Österreich und Deutschland bei Konsumentenschützern und Medien beschwert hatten, lenkte simsen.de ein und "entließ" die unfreiwilligen Abonnenten - gratis.
Einem ähnlichen Muster folgt die momentan aktuelle Abkassiererei mit so genannten "Heute-Gratis"-Websites, deren Services nur am Tag der Registrierung gratis sind. Nach 24 Stunden werden sie zu einem Zweijahresvertrag - was irgendwo im klein Gedruckten versteckt ist.
"Stopp", "Storno", "Ende" oder "Aus"
So schreibt auch der neue Verhaltenskodex vor, dass eine simple SMS-Nachricht des Kunden mit den Worten "Stopp", "Storno", "Ende" oder "Aus" genügen müsse, um einen Dienst abzubestellen.
Der Dienstanbieter ist zu einer kostenfreien, direkten Bestätigung der Abmeldung per SMS an den Kunden verpflichtet, laufen mehrere Dienste über eine Mehrwertnummer, sind alle abzustellen. Nach einem derartigen "Opt-out" sind für den Anbieter weitere "Push-Kontakte" zum Kunden nicht mehr gestattet.
Ziel der Aktion sei ein österreichweites Gütesiegel für mobile Dienstanbieter zur Kennzeichnung seriöser SMS-Dienste.
Die Mitglieder der MMA-Austria
Der MMA-Austria gehören alle Mobilfunkanbieter mit eigenen Netzen an, dazu kommen gut zwei Dutzend Anbieter von Gateways oder Services für den Endkunden. Der österreichische Verhaltenskodex sieht von Mahnung bis zu Entzug des Gütesiegels auch den Ausschluss von Mitgliedern vor.
Auf dem Markt aktiv
Sowohl Tauchner wie Fleischhacker sind auf dem Markt für mobile Dienste mit eigenen Firmen aktiv.
Roland Tauchner ist der Geschäftsführer der Dimoco, die Mobilfunk-Gateways in alle Netzbetreiber in Österreich, Deutschland, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Kroatien, der Slowakei und der Schweiz bietet.
Roland Fleischhacker ist Geschäftsführer von Lovo.cc, einem neuartigen Handy-Informationsservice zur Freizeitgestaltung. Aufbauend auf einem Interessensprofil, das die Benutzer über ein Webinterface selbst eingeben, können sie unterwegs via SMS/MMS Tipps für Hotels, Lokale, Events, Sehenswürdigkeiten etc. abrufen.
Der Service ist an sich kostenpflichtig, allerdings nicht für die Endkunden, da er über Sponsoren und über zusätzliche Premiumdienste finanziert wird. Derzeit ist Lovo.cc noch im Betatest-Betrieb.
