Fiasko für Motorola und Nokia
Nokia und Motorola haben bei ihrem Engagement in der Türkei offensichtlich auf die falschen Partner gesetzt.
Die beiden Mobilfunkkonzerne versuchen jetzt mit einer Klage gegen ein Familienunternehmen, das den zweitgrößten türkischen Netzbetreiber Telsim dominiert, Verluste von drei Milliarden USD einzufordern.
Die Vorgeschichte ist ein Wirtschaftskrimi, in dem die Familie Uzan die Hauptrolle spielt, die über ein gewaltiges und verschachteltes Wirtschaftsimperium gebietet, zu dem auch Zeitungen und TV-Sender gehören.
Die Familie verfügt über hochrangige Kontakte zur türkischen Politik und kann auch in der internationalen High-Society mit ihrem Reichtum beeindrucken.

Kapital-Putsch
Mitte der neunziger Jahre waren Nokia und Motorola in den weltweit elftgrößten Telefonmarkt eingestiegen und hatten dazu Kapital, Infrastruktur und Handys geliefert.
Ihr Partner wurde Telsim, damals komplett im Privatbesitz der Familie Uzan. Zusammen wurde das zweitgrößte türkische GSM-Netz aufgebaut.
Zunächst wurden Nokia und Motorola für ihr Kapital und ihre Technologielieferungen dominierende Anteilseigner von Telsim [mit insgesamt 73,5 Prozent].
Durch eine angeblich verdeckt und heimlich durchgeführte Kapitalerhöhung schrumpften diese Anteile allerdings auf ein Drittel der ursprünglichen Beteiligungen, sodass die Uzans wieder die Kontrolle über Telsim ausüben.
Die Uzans kontrollieren zwei Banken, zwei Stromversorger, zahlreiche Bau- und Zementfabriken, Hotels, zwei Fußballklubs und einen Medienkonzern mit Tageszeitungen, Magazinen, Radio- und Fernsehkanälen.
"Schlichter Raub"
In der Klage werfen Nokia und Motorola den Uzans vor, von Beginn an betrügerische Absichten gehegt zu haben, ein Anwalt spricht sogar schlicht von "Raub".
Dabei soll den Mobilfunkkonzernen nicht nur die Kontrolle über Teslim entzogen, sondern auch Kapital an andere familieneigene Unternehmen verschoben worden sein.
Die aktuelle Klage, bei der Nokia mehr als zwei Milliarden USD und Motorola mehr als 700 Millionen USD einfordern, wurde vor einem US-Gericht eingebracht.
Der "Spiegel" hat im letzten Juni den Aufstieg der Familie Uzan und deren Verflechtungen mit der türkischen Politik ausführlich beschrieben:

Schmutzkampagnen
In der Türkei könnten die Konzerne unterdessen mit der Medienmacht ihres ehemaligen Partners konfrontiert werden.
Die Yahoo-Wirtschaftsredaktion bezeichnet die "Star"-Gruppe der Uzans als "unbarmherzigstes Medienunternehmen der Türkei" und warnt prinzipiell vor "Schmutzkampagnen" gegen wirtschaftliche Konkurrenten.
Dass diese Warnung Substanz hat, dürften Nokia und Motorola allerdings schon wissen. Als nämlich Ericsson beim Telsim-Rivalen "Turkcell" einstieg, wurde das schwedische Unternehmen von den "Star"-Zeitungen bezichtigt, die kurdische PKK zu unterstützen.