BBC weitet Online-Angebot aus
Die britische Rundfunkanstalt BBC hat kürzlich ihre Zukunftspläne vorgestellt: Kernpunkte sind der Ausbau des Online-Portals nach Web-2.0-Vorbild, TV-Sendungen im Internet und für unterwegs sowie personalisierte Radioprogramme.
Im Kampf gegen das sinkende Interesse der jungen Zielgruppe hat die die BBC vergangene Woche ihre Zukunftspläne vorgestellt.
Zentrales Thema des Vorhabens ist ein Relaunch des BBC-Online-Auftritts mit Fokus auf "Web 2.0"-Anwendungen und User-generierte Inhalte wie Weblogs, Fotos, Musik und Videos.
TV-Programm online schauen
Neben dem Ausbau des Portals in MySpace-Manier soll künftig das gesamte BBC-Fernsehprogramm auch online verfügbar gemacht werden. Der dafür bereits testweise eingesetzte "MyBBCPlayer" wurde dafür nun in "BBC iPlayer" umbenannt.
Zudem sei eine eigene Marke für Teenager im Gespräch, die TV-, Radio- und Breitbanddienste vereinen soll. Weiters gebe es Ideen für mehr Personalisierungsmöglichkeiten - etwa im Radio.
Alle Formate, alle Geräte, überall
"Die BBC sollte sich selber nicht mehr als TV- und Radiosender mit ein bisschen neuen Medien als Extra sehen", so der Kommentar von BBC-Generaldirektor Mark Thompson.
"Unser Ziel muss es sein, die Zuschauer mit öffentlich-rechtlichen Inhalten zu versorgen - in welchem Format und auf welchen Geräten auch immer, egal ob sie zu Hause oder unterwegs sind."
Nutzer-Ideen gefragt
Für den Online-Relaunch unter dem internen Namen "bbc.co.uk 2.0" soll ein Wettbewerb ausgeschrieben werden, bei dem die Nutzer ihre Ideen beisteuern können, wie die Website einen Touch von MySpace, Flickr, YouTube und Wikipedia bekommen kann.
Kritik von kommerziellen Unternehmen
Die ambitionierten Multimedia-Pläne rufen neben privaten TV- und Radiosendern auch Medienunternehmen auf den Plan, die die BBC bisher nicht zu ihren Konkurrenten zählten.
Denn auch alteingesessene Medienkonzerne geraten im Internet und bei neuen Technologien immer mehr unter Zugzwang, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen.
Der Hauptkritikpunkt: Die BBC wird fast ausschließlich durch Rundfunkgebühren finanziert. Der britische Konkurrent ITV forderte die Regulierungsbehörden auf, die Pläne einer strengen Prüfung zu unterziehen.
Ein Sprecher von News Corp., das unter anderem im Besitz von MySpace.com und in England mit dem Bezahlsender Sky vertreten ist, meinte etwa: "Warum sollte öffentliches Geld verwendet werden, um Konkurrenz für ein kommerziell erfolgreiches Produkt wie MySpace zu schaffen?"
BBC sieht notwendige Maßnahme
Auch die britischen Medien nahmen die BBC-Pläne mit gemischten Gefühlen auf. Der "Guardian" etwa bezeichnete den Vorstoß als "aggressive Landnahme" und "Daily Mail" sprach von einer "Verdummung, um junge Nutzer anzusprechen".
Die BBC selbst reagiert auf die Vorwürfe schlichtweg mit dem Argument, sich die neuen Technologien zu Nutze machen zu müssen, um in der Zukunft überhaupt bestehen zu können.
(futurezone | BBC | Guardian | Reuters)
