25.06.2005

KERNGESCHÄFT

Siemens glaubt an seine Festnetzsparte

Siemens ist Spekulationen entgegengetreten, der Konzern wolle sich nach dem Verkauf der defizitären Handysparte auch vom Bereich Festnetz trennen.

"Wir sehen im Festnetz erhebliche Innovationspotenziale und eine enge Verbindung mit unserem Infrastrukturgeschäft", sagte Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt dem "Tagesspiegel" [Samstagsausgabe].

Dieser Bereich gehöre zum Kerngeschäft. "Wir wollen uns nicht davon trennen." Im Werk in Bocholt, wo derzeit unter anderem Schnurlostelefone produziert werden, würden zukünftig stärker auch andere Endgeräte produziert werden, so Ganswindt.

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat von seinem Konzern unterdessen mehr Tempo bei Innovationen gefordert und die Bedeutung von Sparmaßnahmen in Frage gestellt.

BenQ hat nötiges Know-How

Vor allem bei den hinter den Renditezielen zurückliegenden Sparten Communications und Business Services sei Innovationskraft der Schlüssel zum Erfolg, und nicht Sparmaßnahmen, so Kleinfeld zum "Spiegel".

Zur Handysparte, die Siemens an den taiwanischen Hersteller BenQ verkauft hat, sagte Ganswindt: "Im Verbund mit BenQ hat die Handyproduktion eine realistische Chance, wieder Geld zu verdienen." Das was Siemens gut könne, nämlich die Funktechnik, sei heute nicht mehr das Kaufkriterium für ein Handy.

Es gehe viel mehr um Anwendungen wie Bilder und Musik. "Von diesem Geschäft versteht BenQ viel mehr als wir." Auch Kleinfeld verteidigte den Verkauf als ökonomisch sinnvoll und als "tragfähige Lösung". "Ich bin mir sicher, dass ein US-Konzern gepriesen worden wäre für eine weitsichtige Lösung, wie wir sie nun gefunden haben."

Deutschland als Standort mit Zukunft

Die Mitarbeiter bekämen eine Chance unter einem Eigentümer, der voll auf Wachstum setze. Er gehe nicht davon aus, dass BenQ viele Arbeitsplätze nach Asien verlagern werde: "Das Hauptquartier der neuen Einheit wird München. Das bisherige BenQ-Geschäft wird darin aufgehen. Alle Standorte und Mitarbeiter werden übernommen. So etwas macht ein Unternehmen doch nicht, wenn es für einen Standort keine Zukunft erwartet."