Videoüberwachung gegen Vandalen

26.03.2008

Ab sofort werden Garagen, Müllräume und Aufzüge in acht Wiener Gemeindebauten videoüberwacht. Die insgesamt 220 Kameras sollen in erster Linien den Vandalismus eindämmen. Der Probebetrieb läuft bis Ende 2009, eine Ausweitung ist angedacht.

Erste Anlagen bereits "scharf"

In den Wiener Gemeindebauten startet derzeit die Videoüberwachung. Die ersten Anlagen seien bereits in Betrieb, sagte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig [SPÖ] am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

Insgesamt 220 Kameras sind in den acht Gemeindebauten, derzeit noch beschränkt auf Garagen, Müllräume und Aufzüge, angebracht.

Die überwachten Areale sind mit Hinweistafeln "Dieser Bereich wird videoüberwacht" gekennzeichnet.

Evaluierung bis Ende 2009

Ursprüngliche Pläne, die Kameras auch in den Stiegenhäusern aufzuhängen, wurden, wie auch das Anbringen im Bereich der Wohnungs-und Hauseingänge, von der Datenschutzkommission nicht genehmigt.

"Die Videoüberwachungsstandorte sind auf den Schutz des Eigentums von Wiener Wohnen, nicht auf den Schutz von Leib und Leben der Mieter, ausgerichtet", so die Datenschutzbeauftragte von Wiener Wohnen, Sylvia Kessler.

Der Probebetrieb läuft bis Ende 2009, danach soll eine Evaluierung zeigen, ob die Überwachung ausgeweitet wird. "Wir erwarten, dass die geschützten Bereiche weniger von Vandalismus betroffen sein werden", so Ludwig. "Schon allein die Ankündigung der Videoüberwachung hat einen ersten Rückgang herbeigeführt."

Bewohner wünschen Überwachung

Natürlich sei die Gefahr der Verdrängung der Vandalen in andere [nicht überwachte] Bereiche gegeben, räumte Ludwig ein. Wünsche der Bewohner nach mehr Überwachung gäbe es genug.

Für die Evaluierung müssen Vergleichsdaten über die Schadenshäufigkeit in nicht per Video observierten Anlagen gesammelt werden. Das geschieht in zehn Gemeindebauten.

Die betroffenen Gemeindebauten

Betroffen von der Videoüberwachung sind acht Häuser, und zwar im Bezirk Landstraße [Lechnerstraße 2-4], drei Objekte in Simmering [Rosa-Jochmann-Ring 3, Am Hofgartl 3-7 sowie 8-10], in Rudolfsheim-Fünfhaus [Weiglgasse 8-10] sowie drei Bauten in der Donaustadt [Markgraf-Gerold-Gasse 18, Rennbahnweg 27, Langobardenstraße 128].

Fünf bis 15 Aufnahmen pro Sekunde

Die vier betroffenen Gemeindebauten im 11. und 3. Bezirk sind mittels Glasfaserleitung von Wienstrom angebunden.

Die bewegungsempfindlichen Kameras schaffen bei Aktivierung die Aufzeichnung von 15 Bildern pro Sekunde mit einer Auflösung von 640 mal 480 Pixeln. Die erfassten Daten im Terabyte-Bereich werden in Salzburg bei der Firma Conova gespeichert.

Die vier Wohnanlagen im 22. sowie 15. Bezirk sind mittels Kupferleitung der Telekom Austria verbunden und liefern fünf Bilder pro Sekunde. Die Daten werden im TA-Rechenzentrum gespeichert.

Kosten: 400.000 Euro

Zwölf Monate des Pilotversuchs kosten laut Ludwig rund 400.000 Euro. Die Kosten werden von Wiener Wohnen getragen. Laut Wiener Wohnen belaufen sich die Reparaturkosten von mutwilligen Beschädigungen auf bis zu 80.000 Euro pro Jahr und Gemeindebau. Ob die Videoüberwachung das Problem löst oder doch nur verlagert, bleibt abzuwarten.

Videos per E-Mail an die Polizei

Die Kamerabilder werden 72 Stunden gespeichert, danach wird das Material mit neuen Bildern überspielt. Über die Servicetelefonnummer 05 75 75 777 können die Bewohner Zwischenfälle melden und so eine Aushebung des Videomaterials veranlassen.

Die entsprechenden Bilder werden dann von der Datenschutzbeauftragten von Wiener Wohnen gesichtet und im Falle strafrechtlicher Relevanz gesichert und an die Polizei weitergeleitet.

Diese Weiterleitung geschieht via verschlüsselte E-Mail, Szene samt Player werden passwortgeschützt versandt. Das Passwort wird der Polizei gesondert über das Telefon mitgeteilt.

Grüne: "Überwachungsfantasie"

In einer Aussendung vom Mittwochnachmittag warf der grüne Stadtrat David Ellensohn der Wiener SPÖ vor, gegenüber Forderungen der FPÖ eingeknickt zu sein und "Überwachungsfantasien" auszuleben, die "mit Kriminalitätsbekämpfung nichts zu tun" hätten.

"Noch vor wenigen Jahren wäre diese Art der Sozialkontrolle nicht denkbar gewesen. Statt teurer Videoanlagen sollte Personal zur Betreuung eingesetzt werden. Private Reinigungsfirmen kümmern sich nicht darum, wer für Vandalenakte verantwortlich ist, mehr Zerstörung ist gut für das Geschäft. Ein Hausmeister oder eine Hausmeisterin mit entsprechender Ausbildung in Mediation und Konfliktmanagement wäre von größerem Nutzen", so Ellensohn.

(APA | futurezone)