13.01.2005

KNOW-HOW

Siemens Österreich wird Maut-Exporteur

Der weltweit tätige Siemens-Konzern steigt in den Ring der Mautsystem-Anbieter und -Betreiber ein.

Mit der von Siemens Österreich entwickelten und jetzt in Seattle erfolgreich getesteten satellitengestützten Mauttechnologie auf GPS/GSM-Basis wird sich der Elektronikkonzern international an mehreren Lkw-Maut-Ausschreibungen beteiligen.

Dies gaben Siemens Österreich-Vorstandsmitglied Brigitte Ederer und der Österreich-Leiter des Geschäftsbereichs Industrial Solutions and Services Kurt Hofstädter heute bekannt.

Siemens wird sich mit noch nicht feststehenden Partnern mit seinem Mautsystem an den Lkw-Maut-Ausschreibungen in Tschechien und Großbritannien bewerben. Allein das Auftragsvolumen in Großbritannien beläuft sich auf 1,5 bis 2,5 Mrd. Euro.

"Reines Geldeinheben"

Dem satellitengestützten Mautsystem gehöre die Zukunft, zeigte sich Hofstädter überzeugt. Der Durchbruch sei jetzt durch die Inbetriebnahme der deutschen Lkw-Maut gelungen.

Einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach das deutsche Mautkonsortium Toll Collect die Zusammenarbeit für die Entwicklung neuer Software gekündigt hat, wies Siemens zurück.

Es habe keinen Vertrag im Software-Bereich gegeben, Siemens habe nur On-Board-Units [OBUs] geliefert, so ein Siemens-Sprecher. Das bestellte Kontingent sei jetzt geliefert worden und funktioniere zur Zufriedenheit. Der Vertrag sei nun ausgelaufen, Siemens sei aber an weiteren Bestellungen interessiert.

Das in Österreich verwendete auf Mikrowellen-Technologie basierende System funktioniere mit ganz wenigen Problemen ebenfalls und sei zum "reinen Geldeinheben" ausreichend, meinte Ederer.

"Gutes Zeugnis" für Lkw-Maut

Das satellitengestützte System benötigt laut Siemens faktisch keine eigene Infrastruktur. Bei flächendeckender Bemautung sei die auf GPS/GSM-Basis entwickelte Satelliten-Mauttechnologie "sehr bald günstiger", so Hofstädter.

Würden nur kurze Abschnitte, wie Brücken oder Tunnels bemautet, hätte die Mikrowellen-Technologie ihre Berechtigung.

Der Betreiber der heimischen Lkw-Maut, Europpass, freut sich nach einem Jahr Echtbetrieb über ein laut eigenen Angaben "sehr gutes Zeugnis" der Kunden. Bei einer Befragung unter 225 österreichischen Transportunternehmen gaben 62 Prozent an, dass die Maut "gut" funktioniert.

14 Prozent stellten dem Mautbetrieb ein "sehr gutes" Urteil aus, während 15 Prozent für "mittelmäßig" und neun Prozent für "schlecht" stimmten.