Konspiratives bei der transmediale

27.01.2008

Die diesjährige Ausgabe des Berliner Festivals für Kunst und digitale Kultur, transmediale, begibt sich auf die Spuren von Verschwörungstheorien in digitalen und anderen Netzwerken.

Unter dem Generalthema "conspire" sollen dabei die Mechanismen konspirativer Strategien erkundet und, wie es im Programm heißt, für "die Entwicklung neuer digitaler Ausdrucksformen nutzbar gemacht werden".

Das Wort "conspire" sei bewusst gewählt als künstlerischer Akt der Verschwörung, so Steven Kovats, der heuer erstmals für das Programm des Festivals verantwortlich zeichnet.

Die transmediale findet nach einem zweijährigen Gastspiel in der Hochschule der Künste heuer wieder im Haus der Kulturen der Welt [John-Foster-Dulles-Allee 10, Berlin] vom 29. Jänner bis 3. Februar statt. Die futurezone wird vom Festival berichten.

Terrorismus und schwarze Löcher

Die Zugänge zum Thema "conspire" sind mannigfaltig. In der Festivalkonfernz werden etwa der US-Medientheoretiker Brian Holmes, Loretta Napoleoni, die Autorin von "Terror Inc.", und der Journalist Yassin Musharbash [Spiegel online] die Aneignung der offenen Strukturen des Internets durch Terrororganisationen diskutieren.

Der Chaosforscher Otto E. Roessler wird vor schwarzen Löchern warnen, der chilenische Neurobiologe Humberto Maturana wird gemeinsam mit der Sozialpsychologin Ximena Davila kulturelle Rahmen für unterschiedliche Welt- und Realitätsentwürfe veranschaulichen.

Weiters im Programm: Ein Panel zur Kluft zwischen Rechtsvorschriften und Praxis im Umgang mit digitalen Informationen sowie eine Reminiszenz an das Netzwerk-Experiment Cybersyn, das in den frühen 70er Jahren den sozialistischen Wandel in Chile technologisch begleitete.

Konspirative Strategien

Neben der Konferenz bietet auch der Bilderberg-Salon Gelegenheit zur Diskussion konspirativer Strategien, in dem jeweils am Nachmittag Künstler, Aktivisten und Forscher Einblicke in "das Hinterzimmer der taktischen Informations- und Kommunikationsarchitektur unserer Zeit geben", wie eine Aussendung verspricht.

In einer Sonderveranstaltung am Sonntag [16.30 Uhr] kommt der Fall des Sozialwissenschaftlers Andrej Holm zur Sprache, der im vergangenen Sommer unter anderem wegen Google-Suchabfragen unter Terrorismusverdacht geriet.

Videostream

Die Diskussionen im Bilderberg Salon und die Panels und Keynotes der Konferenz können heuer erstmal auch über einen Videostream [Ogg Theora] verfolgt werden.

Verdrehte Realitäten

Die mehr als 30 Werke umfassende Ausstellung unterteilt das Überthema "conspire" in sieben Cluster, die von "bioorganischen Systemen" über "konspirative Wahrheiten" bis hin zu "verdrehten Realitäten" reichen.

Transmediale-Award

Am Samstag wird der transmediale-Award vergeben, für die unter anderem die in Wien lebenden Medienkünstler Emanuel Andel [5Voltcore], Gordan Savicic und Michael Blum sowie das austro-italienische Aktionistenkollektiv Uebermorgen.com nominiert sind.

Erstmals wird auch der "Vilem Flusser theory award" vergeben, der exemplarische medientheoretische Werke auszeichnet.

Bereits seit Freitag ist der mit dem Festival assoziierte club transmediale zugange, der noch bis zum 2. Februar unter dem Motto "unpredictable" abenteuerliche elektronische Musik und Visuals präsentiert.