Siemens rehabilitiert Korruptionsermittler

affäre
07.12.2007

Der Elektrokonzern Siemens setzt bei der Aufklärung des Schmiergeldskandals nun überraschend doch auch auf seinen geschassten früheren Korruptionsermittler Albrecht Schäfer.

In einem gerichtlichen Vergleich habe Siemens Schäfer das volle Vertrauen ausgesprochen, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe würden nicht aufrechterhalten, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Mit dem Vergleich sei das Verfahren vor dem Arbeitsgericht München beendet worden, mit dem sich Schäfer gegen seinen Rauswurf zur Wehr gesetzt hatte.

Aufklärung "auf freiwilliger Basis"

"Siemens nimmt die Kündigung vom 3. August 2007 samt Begründung zurück", erklärte das Unternehmen. Schäfer habe sich bereiterklärt, auf freiwilliger Basis an der Aufklärung der Schmiergeldaffäre aktiv mitzuwirken. Unterdessen ging der personelle Umbau mit der Ernennung der Chefs für die insgesamt 15 Divisionen in den drei künftigen Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit weiter.

Die Kündigung Schäfers war im August bekanntgeworden. Medienberichten zufolge war ihm aus Aufsichtsratskreisen vorgeworfen worden, er habe in einem Bericht über den Skandal, der mittlerweile eine Milliardendimension erreicht hat, im Dezember 2006 nicht umfassend genug ausgesagt und ein beschönigendes Bild von den Vorgängen vermittelt. Insgesamt sind im Siemens-Konzern nach bisherigen Angaben 1,3 Mrd. Euro in dubiosen Kanälen versickert.

Kündigung rückgängig gemacht

Zu den näheren Hintergründen, warum die Kündigung nun wieder rückgängig gemacht wird, wollte sich ein Siemens-Sprecher nicht äußern. Umfassende Gespräche hätten ergeben, dass Schäfer bereit sei, an der Aufklärung des Korruptionsskandals mitzuwirken, erklärte er lediglich. Nach Rücknahme der Kündigung werde Schäfer nun "auf jeden Fall sein Gehalt erst mal weiter beziehen". In welcher Form er aber künftig für Siemens tätig sein werde, ließ der Sprecher offen.

In einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" [Samstag-Ausgabe] hieß es, Schäfer verfüge über viel Insiderwissen über die Vorgänge in der Konzernzentrale und packe jetzt aus. Konzernchef Peter Löscher habe auch den Aufsichtsrat darüber unterrichtet, dass man Schäfer nicht länger vorwerfe, in den vergangenen Jahren Teile des Aufsichtsrates unvollständig über Hinweise auf schwarze Kassen und Schmiergelddelikte informiert zu haben. Schäfers Anwalt Georg Schulz sagte der Zeitung, damit sei sein Mandant "voll rehabilitiert", damit sei auch die "Basis für eine gute Zusammenarbeit in der Zukunft" geschaffen worden.

Hinweise erwartet

Aus Unternehmenskreisen verlautete dem Bericht zufolge, man erhoffe sich von Schäfer wertvolle Hinweise darüber, ob und inwieweit frühere Vorstände vom System der schwarzen Kassen und der Schmiergeldzahlungen gewusst oder es gar vertuscht hätten.

Löscher will demnächst mit Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zur US-Börsenaufsicht [SEC] nach New York reisen, um dort die Bemühungen von Siemens zur Aufklärung des Skandals zu schildern. Finanziell droht dem Konzern in Sachen Schmiergeldaffäre die größte Gefahr aus den USA. Neben hohen Geldbußen könnte es auch zum Ausschluss von öffentlichen Aufträgen kommen.

Neue Divisionschefs ernannt

Neben den Chefs der künftigen Divisionen wurden am Freitag auch die Finanzchefs für die drei Sektoren ernannt. Dabei handelt es sich um Hannes Apitzsch [Industrie], Ralf Guntermann [Energie] und Klaus Stegemann [Gesundheit]. Alle Posten seien konzernintern besetzt worden, erklärte das Unternehmen. "Ebenso wie zuvor für die Sektoren- CEOs gab es auch für die Divisionen einen sorgfältigen Auswahlprozess, aus dem hervorragende Persönlichkeiten für die Positionen der Division-CEOs hervorgegangen sind", erklärte Löscher laut Mitteilung.

(dpa)