PC-Spiele: Offene Diskussion statt Polemik

22.09.2007

Statt Spiele mit gewalttätigen Inhalten von vornherein zu verbieten, setzt die heimische Politik zunehmend auf Aufklärung. Nun sollen die Jugendschutzgesetze bundesweit mit einer verpflichtenden Alterskennzeichung versehen werden. Verbote seien derzeit kein Thema, sagt Wiens Jugendstadträtin Grete Laska [SPÖ].

Wissenschaftsminister Johannes Hahn [ÖVP] überraschte bei der Eröffnung der Wiener "Game City" am Freitag mit der Aussage: "Verbote sind das Letzte, was wir brauchen können. Wir brauchen Bewusstsein, Verständnis, Auseinandersetzung."

Überraschend deswegen, weil die Wiener ÖVP im vergangenen Jahr mit einem Antrag "betreffend Verschärfung der Bestimmungen für den Verkauf und Vertrieb von gewaltverherrlichenden Medien" zuerst im Wiener Landtag und später auch landesweit für Diskussionen gesorgt hatte.

Wien erklärt Diskussion für beendet

In Wien ist die Diskussion vorerst offiziell beendet, erklärten bei der Publikumseröffnung der "Game City" sowohl Initiator Franz Ferdinand Wolf, Wiener ÖVP-Landtagsabgeordneter, als auch Wiens Vizebürgermeisterin und Jugendstadträtin Laska.

Laska unterstrich bei ihrer Ansprache erneut, dass Verbote die falsche Antwort auf die Diskussion seien. "Die richtige Antwort ist: Setzen wir uns mit diesem Thema auseinander."

"Spiele sind Spaß"

Man müsse erklären, was in den Spielen passiere und wer was dürfe. "Spiele sind Spaß und eine andere Art der Unterhaltung", unterstrich Laska.

Auch Wolf schlug versöhnlichere Töne an als zuletzt. Man habe versucht gemeinsam etwas zu tun, und er sei froh über das Ergebnis dieser Diskussion. "Man muss versuchen, die User zum Nachdenken zu bringen, über das was sie tun. Das passiert und dafür Danke", erklärte Wolf vor Publikum.

Nach dem Amoklauf im deutschen Emsdetten letzten Herbst überzog die Debatte über Verbote von "Killerspielen" zuerst Deutschland und später Österreich.

Die Wiener ÖVP forderte damals ein landeseigenes Gremium für die Bewertung aller in Österreich erhältlichen Videospiele einzusetzen. Spiele, die kein offizielles Prüfsiegel dieses Gremiums aufweisen können, sollten nicht mehr verkauft werden dürfen.

"Verbote derzeit kein Thema"

Auf Nachfrage von ORF.at sagte Laska, dass die Verbotsdiskussion von Computerspielen in Wien vorerst vom Tisch sei. "An Verbote zu denken ist derzeit kein Thema", so Laska.

Stattdessen werde das bisher freiwillige PEGI-System [Inhaltskennzeichnung für Videospiele] fix in das Wiener Jugendschutzgesetz wie in jene von Niederösterreich und dem Burgenland integriert.

Bundesweite Novellierung geplant

Gleichzeitig sei bei der zuständigen Ministerin auch ein Antrag auf eine bundesweite Vereinheitlichung gestellt worden. Daran scheitere bisher auch die Umsetzung, weil daran gedacht werde, gleich alle Jugendschutzgesetze, die in Österreich Ländersache sind, auf einmal entsprechend zu verändern.

Laska selbst zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: "Nun ist der Boden für offene Diskussionen statt Polemik geschaffen."

ÖVP Wien ortet Diskussionbedarf

Wolf beharrte im Gespräch mit ORF.at allerdings darauf, Spiele im Notfall trotzdem verbieten zu können: "Was machen sie mit einem Spiel mit nationalsoziaistischen Inhalten?" Dass ein solches Spiel ohnedies unter das Wiederbetätigungsverbit fällt, reiche ihm nicht.

Das Argument, dass in weiterer und konsequenter Folge dann auch Filme mit zuviel Gewalt verboten gehörten, schlug Wolf zumindest nicht aus, erklärte aber im weiteren Gespräch, dass er bei dem Thema noch deutlichen Diskussionbedarf sehe.

Wolf sowie jeweils ein Vertreter der SPÖ und der Grünen wollen am Samstag um 16.30 Uhr im Rahen der "Game City" im Wiener Rathaus bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Computerspiele und Politik" teilnehmen.

(futurezone | Nadja Igler)