"Zeit, mit Inhalten Geld zu verdienen"

13.04.2007

Unter dem Motto "Cash from Chaos" wurde bei der Berliner Blogger-Konferenz re:publica das Thema Geldverdienen mit Weblogs diskutiert. Kontroversen blieben dabei weitgehend aus.

Beim Hype um Web 2.0 und nutzergenerierte Inhalte bleibe der Nutzer weit hinten, sagte Johnny Haeusler vom Berliner Weblog Spreeblick bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der re:publica am Donnerstag in Berlin.

Während Software-Anbieter, Aggregatoren wie Technorati und Suchmaschinen mit den Inhalten der Nutzer viel Geld verdienen würden, bleibe bei jenen, die die Inhalte produzieren, nichts hängen, meinte Haeusler. Nun sei es an der Zeit, mit eigenen Inhalten auch Geld zu verdienen.

Kontakt zur "bösen Kommerzwelt"

Vor kurzem gründete Haeusler gemeinsam mit Sascha Lobo [Riesenmaschine] die Agentur adical, die die Inhalte ausgewählter deutscher Blogger vermarkten will.

Blogs bräuchten keine Werbung, aber als Medien sollten Weblogs die Chance haben, dass die Macher sich refinanzieren können, sagte Lobo.

Deshalb müsse man sich vom Dogma lösen, dass Blogs die heiligen Mediensäulen seien, die nichts mit der "bösen Kommerzwelt" zu tun hätten, argumentierte der Blog-Vermarkter.

In seinem gemeinsam mit Holm Friebe geschriebenen Buch "Wir nennen es Arbeit" skizziert Lobo, wie sich mit Hilfe neuer Technologien ein selbst bestimmtes Leben jenseits der Festanstellung führen lässt.

Egoistische Blogger

Thomas Lau, der bei Antville unter dem Namen "Supatyp" bloggt und als Community-Manager bei der deutschen Online-Plattform WestEins im Sold steht, wandte ein, dass Weblog-Inhalte strukturelll "zu egoistisch" seien, um für die Werbekunden attraktiv zu sein.

Er riet Bloggern, die Geld verdienen wollen, dazu, ihre Weblog-Kompetenz Unternehmen und Medien als Dienstleistung anzubieten.

Der eigene Blog könne dabei als Portfolio verwendet werden, in dem handwerkliche Fähigkeiten demonstriert werden könnten.

Schadet Werbung der Weblog-Kultur?

Bevor die Diskussion zur Halbzeit im Geplänkel über die Zielgruppe für Weblog-Werbung zu versanden drohte, warf Haeusler die Frage auf, ob Werbung der Weblog-Kultur schade.

Werbefinanzierte Weblogs würden niemandem die Möglichkeit nehmen, "besser und cooler" zu sein. Neben werbeunterstützten Blogs wie Spreeblick werde es auch weiterhin anarchistische Ausdrucksweisen in "Tausenden Underground-Blogs" geben, beantwortete Haeusler die Frage gleich selbst.

Er selbst würde jedoch jedem davon abraten, auf die Werbung als einziges Standbein zu bauen. Ob Werbung in Blogs funktioniere, sei langfristig noch nicht abzuschätzen.

Welche Werbeformen verabscheut Ihr?

Aus dem Publikum kam schließlich die Frage, ob es Werbeformen gebe, die von den Bloggern verabscheut würden. Unternehmen, die für Werbung bezahlt hätten, würden bei ihm niemals in den Inhalten erwähnt werden, meinte Haeusler.

Lobo hielt dem entgegen, dass gegen gekaufte Artikel, wenn sie als solche gekennzeichnet sind, nichts einzuwenden sei.

Das Weblog Riesenmaschine, für das Lobo schreibt, habe daraus eine eigene Kunstform entwickelt: "Das ist transparenter und besser als das, was heute in der Medienlandschaft der Fall ist", meinte Lobo.

Bezahlte Inhalte

Der Blogger und Journalist Don Dahlmann [Irgendwas ist ja immer], der das Panel moderierte, verwies darauf, dass er in den vergangenen Jahren zahlreiche Angebote für bezahlte Inhalte in seinem Weblog bekommen habe.

Außer einer Serie von Testberichten für eine deutsche Automarke, für die er heftig kritisiert wurde, habe er jedoch kein Angebot angenommen.

Er verweigere aus Prinzip jedes Angebot, bei dem Einfluss auf die inhaltliche Richtung des Artikels genommen werde.

"Wenn mich jemand dafür bezahlt, dass ich schreibe, dass sein Handy schlecht ist, finde ich das aber in Ordnung", sagte Dahlmann.

Nicht nur Werbung

Korrumpierte Inhalte in Weblogs seien kein allzu großes Problem, hieß es aus dem Publikum. Bei Korruptionsverdacht gingen die Besucher von Weblogs eben woandershin.

Die Fragestellung auf Werbeeinschaltungen zu reduzieren sei ein naiver Ansatz, meinte hingegen eine Besucherin der Veranstaltung. So gebe es genug Journalisten, Fotografen, Schriftsteller und Musiker, die in ihren Weblogs ihre Inhalte bewerben: Auch das sei "Cash from Chaos".

Bei der Berliner Konferenz re:publica wird noch bis Freitag über Weblogs, Podcasts und das Mitmach-Web diskutiert.

(futurezone | Patrick Dax)