Anzeige gegen Ex-Chefs von Premiere

AKTIONÄRE
15.05.2009

Vorwurf der geschönten Abonnentenzahlen

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat die früheren Vorstandschefs des Bezahlsenders Premiere, Georg Kofler und Michael Börnicke, angezeigt.

Die Aktionärsschützer werfen den beiden Managern vor, sowohl beim Börsengang 2005 als auch bei der Kapitalerhöhung 2007 unrichtige Angaben zur Klassifizierung, Zählweise und tatsächlichen Zahl der Abonnenten gemacht zu haben. Außerdem beschuldigten die Aktionärsschützer Kofler und Börnicke in einer Mitteilung am Freitag des Insiderhandels und empfahlen Anlegern, Schadenersatzansprüche gegen die Manager prüfen zu lassen.

Kofler wies die Vorwürfe am Freitag zurück. Börnicke war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Oberstaatsanwalt Anton Winkler sagte auf Anfrage, bisher liege keine Anzeige vor.

"Abonnements ohne Relevanz"

Premiere hatte am Donnerstag nach Millionenverlusten und Kundenschwund angekündigt, seinen alten Namen abzulegen und sich künftig Sky nennen zu wollen. Der neue Name soll im Juli in der Bundesliga-Pause eingeführt werden. Sky ist eine Marke des Premiere-Großaktionärs Rupert Murdoch.

Ende März zählte der Pay-TV-Sender nur noch knapp 2,4 Millionen Abonnenten. Der neue Premiere-Chef Mark Williams hatte im Herbst vergangenen Jahres die alte Abonnentenzählweise von Kofler und Börnicke über Bord geworfen und den Kundenbestand so um rund eine Million bereinigt. Die SdK wirft dem früheren Management vor, Abonnements einberechnet zu haben, "die entweder überhaupt nicht relevant waren oder keine Umsatzerlöse mehr erwarten ließen".

Vorwürfe für Kofler "haltlos"

Kofler erklärte, die Vorwürfe seien haltlos. "Unsere Berichterstattung war stets korrekt, und zwar was die Finanzzahlen angeht, als auch was die Abozahlen angeht. Es war immer klar, dass Premiere eine Strategie verfolgte, die sich auf hohe Abozahlen konzentrierte." Dem Unternehmen seien durch die unterschiedliche Klassifizierung keinerlei Nachteile entstanden. "Die Neuklassifizierung der Abonnenten hat dazu geführt, dass Premiere nicht einen Euro mehr umsetzt oder verdient als vorher." Er habe auf die Strategie einer breiten Durchdringung gesetzt.

Der Vorwurf des Insiderhandels grenze an "Rufschädigung", sagte Kofler. Er habe sich stets an die geltenden Vorschriften und Gesetze gehalten. Kofler hatte 2002 bei Premiere das Ruder übernommen und den Sender nach der Sanierung 2005 an die Börse gebracht. 2007 hatte sich Kofler bei Premiere verabschiedet und an Börnicke übergeben. Seine Aktien hatte er zuvor verkauft.

(dpa)